Pegelstände an Lippe, Emscher und Ruhr

Also, ett gibbet schon wieder die ersten Warnungen vor Hochwasser im Ruhrpott und auch im Sauerland. Schließlich liegt da eine Menge Schnee, die jetzt abtauen wird und auf die Bäche und Flüsse wie ein zusätzlicher Dauerregen wirkt. Neben dem, der aktuell auch schon runterkommt.

Da in den Talsperren aber bereits Platz geschaffen wird durch größere Abgaben und insgesamt nicht so viel bis zum Wochenende regen soll wird es alles schon nicht so schlimm werden.

Aber schaut doch selber mal rein, hier sind die Links auf die aktuellen Pegelstände von Emscher-Lippe und Ruhrverband:

Pegel Emscher-Lippe

Pegel Emscher-Lippe

Pegel Ruhrverband

Pegel Ruhrverband

Der Ruhrverband gibt auch einen aktuellen Lagebericht aus.

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Ruhr Tour 2.0

Wie wäre es denn mit einer kleinen Tour an auf der Ruhr? Nix schlimmes, ganz harmlos. Nur von Schwerte bis zum Rheinorange in Duisburg an der Mündung in den Rhein. Schätze mal so etwa 100 Kilometer. Macht ein trainierter Radfahrer in 2-3 Tagen (ich eher in 5-6;-).

Es sei denn.

Es sei denn, man ….

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Die Ruhrstauseen

Trinkwasserbrunnen Ruhr in Essen, Bild von Simplicius, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Trinkwasserbrunnen Ruhr in Essen, Bild von Simplicius, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nach dem Unwetter gestern, wo wirklich lecker Wasser bei uns runterkam hier mal eine ganz gegenteilige Meldung vom Ruhrverband: Der  Juni war der trockenste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen!

Essen (idr). Das Einzugsgebiet der Ruhr hat in diesem Jahr den trockensten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts erlebt, so der Ruhrverband in Essen. Im Mittel fielen nur 28 Litern pro Quadratmeter, das sind 31 Prozent der durchschnittlichen Juni-Niederschlagsmenge. Um die überregionale Wasserversorgung sicherzustellen, gibt der Ruhrverband aus seinen acht Talsperren im Sauerland zurzeit verstärkt Wasser ab. Da die Talsperren zu 87 Prozent gefüllt sind, ist die Wasserversorgung bis zum Winter gesichert, auch wenn der Sommer heiß und trocken bleibt.

Zum Vergleich, bei uns kamen alleine gestern innerhalb von 2 Stunden 13 Liter pro Quadratmeter runter. Aber das war ja auch schon Juli. Zurück zum Thema, die Ruhrstauseen:

Ruhrseen, Zeichnung von Helfmann, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa

Ruhrseen, Zeichnung von Helfmann, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa

Die meisten wurden in den 1920er und 30er Jahren angelegt, zwei kamen später noch dazu. Sie dienen zur Regulierung des Wasserstandes in der Ruhr (Hochwasser auffangen und in Trockenzeiten Wasser in die Ruhr ablassen) und zur Reinigung des Wasser (wie eine Art großes Absetzbecken bzw. biologische Kläranlage). Das Trinkwasser für große Teile des Ruhrgebiets wird aber nicht direkt den Stauseen entnommen sondern entlang der Ruhr durch Uferfiltrat gewonnen. Und daneben werden die Stauseen auch zur Energiegewinnung und für Freizeitaktivitäten genutzt.

Koepchenwerk am Hengsteysee, Bild von Markus Schweiss, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Koepchenwerk am Hengsteysee, Bild von Markus Schweiss, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Bereits um die Jahrhundertwende gab es Kraftwerksbetreiber, die an Wupper, Lenne, Fuelbecke und anderen Bächen Speicherbecken bauen wollten und durch den Beitragszwang im preußischen Wassergenossenschaft-Gesetzes vom Mai 1891 lohnte sich das auch finanziell. Leider wurde der Ruhr dadurch aber eine Menge abgezwackt, sodass das Ruhrgebiet auf dem Trockenen saß.

Was macht man in so einer Konfliktsituation?

Ruhrviadukt Herdecke am Beginn des Harkortsees, Bild von Stefan Scheer, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Ruhrviadukt Herdecke Beginn des Harkortsees, Bild Stefan Scheer, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nun ja, man wirft alle Beteiligten in einen Topf, 1899 wurde der Ruhrtalsperrenverein gegründet, 1913 in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts überführt. Das ebenfalls 1913 erlassene Ruhrreinhaltungsgesetz gilt übrigens bis heute. Mehr Geschichte findest du bei 100 Jahre Talsperren an dder Ruhr, auch zum Bau der Staumauern und mit interessanten Fotos und Zeichnungen.

Nun aber zu den Seen selbst, von der Ruhrquelle in Richtung Mündung:

Villa Hügel 1907 an der Ruhr, der Baldeneysee existiert noch nicht, Wikipedia, public domain

Villa Hügel 1907 an der Ruhr, der Baldeneysee existiert noch nicht, Wikipedia, public domain

  • Baldenneysee, mit Abstand der größte der Seen, 1933 fertig geworden, ursprünglich als Absetzbecken gebaut, dient auch zur Schiffbarmachung der Ruhr (ab hier Landeswasserstraße), liegt im Süden von Essen, Villa Hügel guckt genau drauf. Im Sommer am Wochenende regelmäßig übervoll. Riesiges Freizeitangebot von Segeln, Kanu-, Kajakfahren und Surfen, Wandern, Joggen, Radfahren und Skaten, Schifffahrt, Angeln, Vogelschutzgebiet Heisinger Aue, Campingplätze, coole Gastronomie wie Seaside Beach, 2008 große Feier zum 75jährigen. Im Kulturhauptstadtjahr natürlich besonders wichtig: die Ruhr-Atolle. Baden ist im See nicht erlaubt. Zum Empfehlen ist noch das Deilbachtal nahebei.
Der schmale Kettwiger See, Foto von Heinz Albers, Wikipedia, Lizenz: vv-by-sa 3.0

Der schmale Kettwiger See, Foto von Heinz Albers, Wikipedia, Lizenz: vv-by-sa 3.0

  • Kettwiger See, der zweitkleinste Stausee an der gleichnamigen Ortschaft, dient der Flussklärung und -aufstauung für die Schifffahrt. Er sieht eigentlich gar nicht wie ein Stausee aus, so lang gezogen wie er ist. Am Wehr ist ein Kraftwerk versteckt, das auch noch Luft ins Ruhrwasser einbläst (kein Fischsterben mehr in heißen Trockenzeiten!). Von dort kann man über einen Leinpfad unter der Mintarderbrücke hindurch bis nach Mülheim mit dem Rad fahren. Freizeitspaß gibt es ähnlich wie am Baldeneysee, nur etwas kleiner und ruhiger. Empfehlen kann ich die Altstadt Kettwig und das Restaurantschiff Thetis.

Ruhrauenbrücken am Kreuz Kaiserberg

Nachts schaut das schön aus, Bild von Christian Demski, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Nachts schaut das schön aus, Bild von Christian Demski, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Ich ackere mich grad durch die Schönheit der Großen Straße B1|A40 hindurch, eine spannende und oft sehr überraschende Sache. Ausstellungseröffnung war gestern, leider ohne mich. Aber wozu gibt es das Internet?

Die Bundesstraße 1 ist übrigens viel länger als man im Pott so denkt, sie geht quer durch Deutschland, von West nach Ost und umgekehrt. Die Autobahn 40 ist da schon etwas kürzer.

Einige Punkte des Straßenschönheitsbegleitprojektes sind nicht unumstritten, so zum Beispiel der Dückerweg in Wattenscheid.  Vielleicht auch weil er ganz unlokalpatriotisch Motel Bochum heisst? Nun, ich werd mir mal Tuning-Szene, das Autokino und den „lebendigen Ort mit Übernachtungsmöglichkeit und Vergnügungszentrum für Erwachsene“ des holländischen Künstlers Joep van Lieshout anschauen gehen. Hört sich doch gut an, oder?-)

Lage Ruhrauenbrücken, Karte http://www.openstreetmap.org/, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Lage Ruhrauenbrücken, Karte von openstreetmap.org, Einträge von mir, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Kreuz Kaiserberg (der Spaghettiknoten) muss ich mir mal erlaufen, es werden dazu sogar Wanderwege angeboten. Die Delicate Arch von Rita McBride steht an der Stelle wo vor Jahren mal die gelben Liegestühle standen. Die Zoo-Brücke führt gar nicht über die A40, aber ok, geschenkt, das Gesamt-Ensemble zählt. Hinter dem Ruhrdeich war ich schon, das kann ich empfehlen, schaut mal bei Brückenlandschaft Ruhraue nach. Beim Anblick dieser Karte fällt mir dann auch auf was mir fehlt: eine Wanderkarte. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen wie das funktionieren soll dort rumzulaufen und Autobahnen, Bahntrassen, Ruhrkanal zu queren und dann noch zurück zu finden. Spannend, sach ich ja.

Ruhr- und Emschersagen von Dirk Sondermann

Emschersagen von Dirk Sondermann, Bild: Henselowsky Boschmann

Emschersagen von Dirk Sondermann, Bild: Henselowsky Boschmann

Dirk Sondermann beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit den Sagen im Ruhrgebiet. Er gründete 2003 das Institut für Erzählforschung im Ruhrgebiet und gab verschiedene sagenhafte Bücher heraus. Ich selbst hab das Buch der Ruhrsagen, er hat aber auch noch zur Emscher, Bochum, Wattenscheid und Hattingen was gemacht.

Dabei sind seine Bücher nicht nur einfach lesenswert.

Dirk wandert die Ruhr von der Mündung in Ruhrort bis zur Quelle am Ruhrkopf ab (>230 Kilometer!). Zu den Sagen gibt es kurze Hintergrundinformationen, Quellenangaben, wo sinnvoll Querverweise, manchmal eine Zeichnung, oft die Zugangsmöglichkeiten und Öffnungszeiten, praktisch immer die GPS-Angaben. Ich möcht nich wissen wie viel Strecke er dafür abgefahren ist, wie viel Zeit er investiert hat, das kann man nur mit Leidenschaft schaffen. Hinten findet sich auch ein Ortsregister, so dass du wirklich beim nächsten Ausflug die sagenhaften Stätten aufsuchen und auf dich wirken lassen kannst. Ob du dort allerdings dann wirklich Hexen und Werwölfen, Riesen und Zwergen, Jungfrauen und Jägern und all den anderen Sagengestalten begegnen wirst? Oder du schaust mal nach welche Sagen es rund um deinen Wohnort gibt. Ich hoffe ja darauf, das er auch zur Lippe einmal ein entsprechendes Buch herausgeben wird.

Dirk hat seinem aktuellen Verlag Henselowsky Boschmann ein Interview gegeben.

Außerdem gibt es ein Projekt von ihm im Rahmen der Ruhr.2010: Sagen-haftes Ruhrgebiet. Mit seinem Institut und der Gesellschaft für freie Informationssysteme (gfi) wird diese Internetseite aufgebaut, die mehr als 500 Sagen zur Verfügung stellen wird (im Moment ist aber noch keine da). Wieder nicht nur als Text sondern auch als Audio- und Videobetrag, mit genauen Ortsangaben, die per GPS, Goggle Maps oder anderen GeoHacks auffindbar sind. Dazu kommen Erzählveranstaltungen in den Städten des Ruhrgebiets, nächster Termin: Gladbeck, Museum der Stadt Gladbeck, Burgstr. 64, 11. Februar 2010, 19.30 Uhr. Die Internetseite soll auch nach 2010 weiter bestehen und ausgebaut werden.

Noch ein paar Links: rponline, WAZ, dtv, pflichtlektüre