Über Wasser gehen – die neue Seseke

eingedeichte Seseke in Lünen, (c) eigenes Bild

Die eingedeichte Seseke in Lünen, (c) eigenes Bild

Die Seseke wird umgebaut, ja sie ist es in weiten Gebieten schon und vor allen Dingen: Es fließt schon sauberes Wasser!

Ähnlich wie bei der Emscher findet auch im Flusssystem Lippe der Rückbau von den alten Abwasserkanälen (Köttelbecke) zu einem naturnahen Flussläufen statt. Hier ist der Lippeverband allerdings schon etwas weiter, der unterirdische Abwasserkanal ist seit 2004 fertig und hat das gesamte Schmutzwasser aufgenommen. Es wird zu den Klärwerken (Bönen und Kamen) geleitet und dort gereinigt in die Zuläufe der Seseke eingeleitet, in die Körne und den Rexebach.

Umbau der Seseke, (c) eigenes Bild

Umbau der Seseke, (c) eigenes Bild

Derzeit stehen die Bagger und Arbeitsmaschinen an vielen Abschnitten der Seseke und heben die Betonplatten aus dem Flussbett, flachen die Ufer ab, schaffen neue kurvige Verläufe, legen Hindernisse zur Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit hinein und machen sonst noch alles was man so zur Renaturierung tut. Das sieht erst mal brutal aus wenn das Grün weggekratzt wird und der Boden offen liegt, es wird aber 2011 dann ein weiteres Stück zurück zur Natur sein.

Wegweiser des Kunstprojektes, (c) eigenes Bild

Wegweiser (c) eigenes Bild

Begleitet wird das ganze im Kulturhauptstadtjahr durch ein Kunstprojekt (wie könnte es auch anders sein?-), es heißt „Über Wasser gehen“. 12 renovierte Künstler denken sich etwas zum Thema Landschaftsumbau, Renaturierung, Transformation … aus. Einige stellten Skulpturen in die Landschaft, z. B. Schaukeln oder bauen etwas in den Fluss hinein, z. B. einen Kanal oder eine Insel. Manche sind nur in der Ausstellungszeit von Juni bis September zu sehen, viele sollen permanent an Ort und Stelle bleiben. Bei einigen sind die Bürger gefragt um mitzugestalten, sich einzubringen.

Karte am Infopunkt, (c) eigenes Foto

Karte (c) eigenes Foto

Alles wichtige zum Kunstprojekt kannst du im Wikipedia-Artikel nachlesen (den hab ich heute geschrieben, hat länger gedauert als die Kunstwerke zu besuchen;-). Oder du schaust auf die Homepage, da ist vieles gut beschrieben inkl. Karte und Navi-Adresse.

Permakulturelle Seseke, (c) eigenes Bild

Permakulturelle Seseke, (c) eigenes Foto

Am Samstag war ich den ganzen Tag bei wechselndem Sonnenglück an der Seseke unterwegs und hab die Kunstwerke gesucht. Der Fahrradweg scheint gut ausgeschildert zu sein aber 50 km und mehr trau ich meinem Knie noch nicht zu und hab deshalb mit Auto und Navi geschaut was ich wo finde. Ein paar sind mir verloren gegangen aber das kann ich ja noch nachholen. Hier ein paar Eindrücke:

  • Ich hatte gedacht am Kunstwerk Nr. 1 Permakulturelle Seseke von Jeroen Doorenweerd an der Mündung der Seseke in die Lippe gäbe es bestimmt Infomaterial, aber Pustekuchen. Die einzige Infostation war an Nr. 6, der Pixelröhre, und die war zu.
  • Selbstbildnis auf der Pixelröhre, (c) eigenes Foto

    Selbstbildnis auf der Pixelröhre, (c) eigenes Foto

    Die Pixelröhre ist übrigens genauso von Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt wie das Verkehrswesen.B 233. Damit hat das einzige Doppel dann zwei Kunstwerke erstellt. Wobei die Pixelröhre wirklich genial ist!

  • So einige sind noch nicht fertig: Bei JETZT und der Fluss von Christian Hasucha werden noch die Steine in die Gabionen geschichtet, bei Landschaft im Fluss von  Thomas Stricker fehlt es noch an der Bepflanzung, bei Line of Beauty – das fünfte Klärwerk von Susanne Lorenz sind sowohl Bepflanzung als auch Radweg noch nicht fertig.
  • Trautes Heim im Reservat, (c) eigenes Bild

    Trautes Heim im Reservat, (c) eigenes Bild

    Sehr gut gefallen weil im Detail sehr witzig ausgeführt hat mit Reservat von Markus Ambach. Ihr müsst da unbedingt zwischen Auto- und Fußgängerbrücke mal raunterschauen und entdecken wer da wohnt.

  • Die Stufen zur Körne von Danuta Karsten sahen im Abendlicht sehr schön aus („dieses Licht!“), aber mit ein paar spielenden Schulkindern wäre die Bilder bestimmt besser geworden.
  • Stufen, Tische, Sitze? (c) eigenes Foto

    Stufen, Tische, Sitze? (c) eigenes Foto

    Der Versuch mit auf die Kissenlandschaft bei Sichtungen gehörter Stille von Tom Groll zu setzen hat mir eine feuchte Hose eingebracht, die Sandsäcke waren leider durchnässt.

  • Die Überwachungskamera der Abnehmende Aussicht von Bogomir Ecker könnt ihr als Webcam verfolgen, nur glaubt nicht allen Bildern, ok?!
  • Den Kahn von der Klasse Löbbert und Hogarth´s Dream von Diemut Schilling hab ich leider nicht gefunden.
  • Abends an der A2/B61 (c) eigenes Foto

    Abends an der A2/B61 (c) eigenes Foto

    Dafür kenn ich jetzt aber die beiden Klärwerke in Kamen und Bönen und hab noch Fotos vom Ostpol des Ruhrpotts, dem Förderturm der Zeche Königsborn III/IV, Schacht IV, gemacht.

  • Ich muss zu einigen Stellen unbedingt nochmal Abends im Dunkeln hin!

Weitere Bilder findet ihr im Facebook-Fotoalbum.

Wolfgang Winter

Jess Jochimsen heute im Trigon

Jess Jochimsen - Foto © Achim Hehn

Jess Jochimsen - Foto © Achim Hehn

Er soll – nach eigener Angabe – meist lustige Geschichten erzählen, immer schlimme Dias zeigen und oft traurige Lieder singen. Und überhaupt ist Durst schlimmer als Heimweh. Trotzdem, oder gerade deswegen freue ich mich darauf das mal live zu erleben.

Im Kulturboitel, der hiesigen Kleinkunst-Initiative von Sparkasse, Zeitung und Stadt, gibt es heute Abend die erste der Abo-Veranstaltungen 2010/2011 (ja, ich bin schon in dem Alter wo man sowas im Abo macht;-). Und von wegen Kleinstadt, Jess kommt grad aus Düsseldorf wo er gestern noch gespielt hat. Ja, wir sind Metropole.

Außer einem Wikipedia-Artikel und dem Comedyprogramm mit seinen fürchterlichen Dias gibt es auf seiner Webseite noch ein paar interessante Dinge zu entdecken, z. B. hat er die Stimmlage Tenor, Schuhgröße 43, spielt u. a. Klarinette und ist Staatlich geprüfter Rettungssanitäter. Dann kann ja nix mehr passieren.

St. Bernarduskirche in Oberhausen

St.Bernhardus in Oberhausen-Sterkrade, Bild von Anne-theater, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

St.Bernhardus in Oberhausen-Sterkrade, Bild von Anne-theater, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Die Anzahl der Gemeindemitglieder geht seit Jahren zurück, Pfarreien werden zusammen gelegt und Kirchen umgenutzt. So ist die Marienkirche in Bochum inzwischen Trainingsplatz für Urbanatix (imRahmen der Kreativquartiere der Ruhr.2010 immerhin bis Ende 2010 gesichert) und die Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf diente im Kulturhauptstadtjahr bereits als spirituelle Kulturtankstelle und ansonsten als Ausstellungsraum. Beide Kirchen sind inzwischen entweiht.

Für die St. Bernarduskirche in Oberhausen wurde ebenfalls ein neues Konzept gesucht. Und ein ungewöhnliches gefunden!

Seit der Fertigstellung des Umbaus im Jahre 2007 wird diese Kirche nämlich sowohl als auch genutzt. Sowohl für Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und andere kirchliche Feierlichkeiten. Als auch für Feste, Feten, Tagungen, Betriebsfeiern und andere Festivitäten.

Wie kam es dazu?

2005 war ein Jahr mit großen Strukturreformen im Bistum Essen. Die Gemeinden St. Clemens und St. Bernardus
fusionierten, wobei St. Bernardus ihren Status als Gemeindekirche und die finanzielle Unterstützung aus der Kirchensteuer verlor. Die Kirchenvorstände beschlossen aber die Kirche nicht zu entweihen oder gar abzureißen sondern zu einem multifunktionalen Gebäude umzubauen. Dazu wurde sie in der Mitte mit einer Stahl-Glas-Konstruktion getrennt. Der Altarbereich ist jetzt eine Kapelle mit offener Bestuhlung, der restliche offene Innenraum ist ein Veranstaltungsraum mit flexibler Tischanordnung (plus Theke), das Pfarrbüro und die Bücherei beherbergen heute eine Profiküche. Bilder des Architekturbüros zwo+ dazu könnt ihr euch hier anschauen. Am 1. April 2007 wurde die Kombination ihrer Bestimmung übergeben.

Die Kapelle mit den angrenzenden Räumen werden von der Kirchengemeinde genutzt. Hier finden Kindergarten-Gottesdienste, die Ü30-Messe, Hochzeiten und Gedenkgottesdienste aus besonderem Anlass statt. Auch als  Kulturtankstelle wurde sie schon genutzt.

Der Saal mit der angrenzenden Küche werden von aufgetischt bewirtschaftet. Dort könnt ihr das feiern, was ihr vorher in der Kapelle als Zeremonie erlebt habt. Oder ihr macht sonst ein Fest und genießt einfach nur die besondere Atmosphäre in dem Kirchengebäude.

Vom 22. -25. September 2010 findet dort übrigens das Internationale Symposion zur Umnutzung von Kirchen der Ruhr2010 statt. Es wird durchgeführt vom Bistum Essen in Kooperation zwischen der Katholischen Akademie des Bistums „Die Wolfsburg„, der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst und der Landesinitiative StadtBauKultur NRW. Programm siehe hier.

Im Programm der Ruhr2010 gibt es auch einen Punkt zu Kirchenumnutzungen. Und bei Ruhr2010-barrierefrei ist die St. Bernarduskirche als Veranstaltungsort aufgelistet.

Night Prayer – Religionen der Welt im Ruhrpott

Am Internationalen Friedenstag, dem 21. September von 16.30 Uhr an bis tief in die Nacht hinein macht Night Prayer die religiöse Vielfalt im Ruhrpott erlebbar (Flyer). Neun Religionen zeigen in neun Städten ihre Gotteshäuser oder spirituellen Orte, öffnen sich zum Besuchen, Meditieren, Beten. Und zum Zuhören, denn sie veranstalten religiös inspirierten Konzerte.

Viele der Orte bieten vorab Einführungen in die jeweilige Religion, wobei ich zugeben muss, dies bei der einen oder anderen auch nötig zu haben da ich noch nie oder nur sehr wenig von ihr gehört habe.

Im Einzelnen sind dies:

  • Pauenhof Dharmasala in Sonsbeck / Foto: Thomas Robbin

    Pauenhof Dharmasala in Sonsbeck Foto: Thomas Robbin

    Sonsbeck, buddhistische Zentrum Pauenhof  Dharmasala (Homepage, Presseinfo), in einem 300 Jahre alten, malerisch gelegenen Bauernhof. Eine Einführung in den Buddhismus, ein Meditationsworkshop und eine Geh-Meditation durch den Garten zu Beginn des Abends, später gibt es eine vollständige Puja-Zeremonie mit tibetischem Ritualorchester, eher ungewohnt für westliche Ohren mit Rahmentrommeln, Becken oder Trompeten.

    Essener Münster

    Essener Münster

  • Essen, der römisch-katholische Dom (Homepage, Presseinfo, Wikipedia), genauer gesagt das Essener Münster ist die Bischofskirche des Bistums Essen, des sogenannten „Ruhrbistums“ und ist zugleich Grabstätte des Heiligen Bischofs Altfrid, der als Gründer des Essener Stifts im Jahr 852 und damit als Gründer der Stadt Essen verehrt wird. „Alles, was atmet, lobe den Herrn“, so lautet das Motto der Essener Dommusik. Es gibt an diesem Abend viel Musik mit dem Mädchenchor, dazu Imbiss, Laufen im Kreuzgang, Führungen und „Klang-Raum“.

    Griechisch Orthodoxe Hl.Dimitrios Kirche in Herten / Foto: Thomas Robbin

    Griechisch Orthodoxe Hl.Dimitrios Kirche Foto: Thomas Robbin

  • eine der schönsten griechisch-orthodoxen Kirchen Deutschlands ist die Heilige Dimitrios-Kirche (Homepage, Presseinfo) in Herten. Am 21. September erklingen dort Psalmen, Antifonen, Lobgesänge und liturgische Gesänge von russischen Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts (nach einer Vesper).
  • Dortmund, die serbisch-orthodoxe Gemeinde (Homepage, Presseinfo), auch hier eröffnet eine Vesper den Abend, mit Geistlichen der serbischen, russischen und rumänischen orthodoxen Kirche, anschließend das Konzert mit Divna Ljubojevic, eine international renommierte Sängerin orthodoxer Kirchenmusik.

    Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm-Uentrop / Foto: Thomas Robbin

    Sri Kamadchi Ampal Tempel Foto: Thomas Robbin

  • Hamm-Uentrop, seit 2002 steht dort der tamilisch-hinduistische Sri Kamadchi Ampal Tempel (Homepage, Presseinfo, Wikipedia) als der größte Dravida-Tempel Europas. Das Programm des Abends besteht aus einem Dokumentarfilm, einer Führung durch den Tempel mit Einführung in den Hinduismus, der 40 minütigen Puja-Zeremonie und dem Konzert mit hingebungsvollen Musikern.
  • Neue Synagoge Gelsenkirchen, Bild von Daniel Ullrich, Lizenz CC-by-sa-2.0-de

    Neue Synagoge Gelsenkirchen, Bild von Daniel Ullrich, Lizenz CC-by-sa-2.0-de

    in Gelsenkirchen, in der jüdischen Synagoge (Gelsenzentrum, Presseinfo) ist es die Zeit der großen Feiertage, zwischen Versöhnungstag Jom Kippur und dem Laubhüttenfest Sukkot. Der Abend beginnt mit einer Einführung in jüdische Religion und Tradition, einem Gottesdienst und dann dem Konzert.

  • in Bochum, in der evangelischen St. Vinzentius Kirche (Bochum, Presseinfo, Wikipedia, Predigtreihe) wird es Motetten des Früh- bis Hochbarocks und instrumentale vier- bis fünfstimmige Canzoni  zu hören geben, später gibt es meditative Führungen in der nur durch Kerzen erleuchteten Kirche geben und zum Abschluss einen feierlichen Abendsegen.
  • Alevitisches Kulturzentrum Foto: Thomas Robbin

    Alevitisches Kulturzentrum Foto: Thomas Robbin

    das alevitisches Kulturzentrum (Presseinfo) in Bergkamen wird die große Gemeindezeremonie „Cem“ mit religiösen alevitischen Liedern auf Türkisch, Kurdisch und Zazaki zeigen, danach werden Lieder und Gedichte von Pir Sultan Abdal, dem berühmtesten alevitischen Dichter-Sänger präsentiert. Es handelt sich um eine in Deutschland nur wenig bekannte Musikwelt Anatoliens: poetisch, spirituell, traurig, meditativ und doch auch voller politischer Rebellion.

  • DITIB Moschee Foto: Thomas Robbin

    DITIB Moschee Foto: Thomas Robbin

    Duisburg-Marxloh, die islamische DITIB Moschee (Homepage, Presseinfo, Wikipedia) beginnt mit einer Führung durch die Moschee und einem Vortrag zur Ästhetik des Islams, Koranlesung von Birol Karakaya, um 19:41 Uhr das Abendgebet, anschließend das Konzert des Istanbuler Ensembles Mızrabın Nefesi.

Alles zusammengefasst kannst du im Flyer nachlesen. Spannend ist auch wer in dem Projekt alles mitarbeitet.

Tag der Wohnkultur

Oberhausen Siedlung Eisenheim, Foto: THS Wohnen GmbH

Oberhausen Siedlung Eisenheim, Foto: THS Wohnen GmbH

Diesmal gibbet zum Tag der Wohnkultur am kommenden Sonntag, den 19. September 2010 von 11:00 bis 18:00 Uhr,  mal (urlaubsbedingt) mehr oder weniger „nur“ den Text aus der Pressemeldung der Route der Wohnkultur.

Garniert mit einigen der zahlreichen und hübschen Pressebilder, die die Vielfalt des Wohnens anschaulich aufzeigen:

Dortmund Hochhaus Heiligegartenstraße, Foto: DOGEWO21

Dortmund Hochhaus Heiligegartenstraße, Foto: DOGEWO21

Hereinspaziert heißt es am 19. September 2010 – dem „Tag der Wohnkultur“.

An diesem Tag sind in fast allen an der „Route der Wohnkultur“ beteiligten 58 Objekten eine oder mehrere Wohnungen für Besucher geöffnet.

Oberhausen Wasserturm, Foto: Cornelia Suhan

Oberhausen Wasserturm, Foto: Cornelia Suhan

Von 11 bis 18 Uhr gibt die „Route der Wohnkultur“ ganz besondere Einblicke in das Leben der Metropole Ruhr.

Wie lebt man in einer alten Bergarbeitersiedlung? Wie in einem Gebäude, das von einem Stararchitekten errichtet wurde? Wie sieht ein zum Wohn- und Arbeitsraum umgebauter Wasserturm von Innen aus? Wie ist es, auf einem ehemaligen Zechengelände zu wohnen?

Hattingen Wohnhäuser Altstadt, Foto: Christiane Herl

Hattingen Wohnhäuser Altstadt, Foto: Christiane Herl

Und: gibt es eigentlich die typische Ruhrgebietswohnung?

Wer ein Bild vom Leben in der Metropole Ruhr bekommen möchte, ist bei dem „Tag der Wohnkultur“ genau richtig. Die Besucher sehen die verschiedenen Facetten des Wohnens im Ruhrgebiet und lernen seine abwechslungsreiche Architektur, die Lebens- und Alltagskultur der Menschen kennen.

Dortmund Architektenhäuser Tremonia, Foto: Cornelia Suhan

Dortmund Architektenhäuser Tremonia, Foto: Cornelia Suhan

„Wir möchten zeigen, wie vielfältig und lebendig das Ruhrgebiet ist und hoffen, das ein oder andere Klischee vom Wohnen im Ruhrgebiet aufheben zu können“, sagt Lars Niemann, einer der Projektinitiatoren vom Büro Stadtidee in Dortmund.

Bochum Hustadt, Foto: VBW

Bochum Hustadt, Foto: VBW

In zahlreichen Siedlungen und Stadtteilen werden am „Tag der Wohnkultur“ Führungen angeboten und es finden Feste und Informationsveranstaltungen statt. Für Kinder gibt es im Duisburger Innenhafen und auf dem Tremoniagelände in Dortmund eigene Führungen, die mit spielerischen Aufgaben die unterschiedlichen Wohnformen vorstellen.

Eröffnet wird der Tag offiziell um 11 Uhr im Rahmen eines Quartiersfestes in der Bochumer Hustadt.

Die geöffneten Wohnungen mit Karte & Liste findest du hier. Die Liste aller Objekte steht hier. (Unterschied ist mir noch nicht ganz aufgegangen;-)

Das umfangreiche Touren-Programm für den Sonntag findest du hier. Es gibt Stadtteil- und Mieterfeste, Bustouren und Führungen, Lesungen und Theater, Infoveranstaltungen und vieles andere mehr.

Kurz und knapp ist der Einladungsflyer.

Naturerlebnisführer Ruhrgebiet

Was macht man bei so einem Dauerregenwetter? Draußen rumwandern oder radfahren und sich dabei eine dicke Erkältung holen? Eher nicht. Dann doch lieber sich hinsetzen und die nächsten Touren planen. Denn ein paar spät sommerlich schöne Tage werden wir bestimmt noch bekommen.

Dazu möchte ich dir den, vom LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) herausgegebenen Naturerlebnisführer Ruhrgebiet empfehlen.

Übersichtskarte

Übersichtskarte

Das „Kerngebiet“ des Ruhrpotts von Duisburg bis Dortmund, im Norden mit Oberhausen, Bottrop, Gladbeck, Gelsenkirchen, Herten, Recklinghausen und Castrop-Rauxel, im Süden mit Mülheim a.d.R., Essen und Bochum und mittendrin noch Herne sind in der Übersichtskarte dargestellt. Durch Anklicken einer Stadt wird ein passender Kartenausschnitt mit speziellen Flächen ausgewiesen. Leider klapp das aber noch nicht mit allen Städten, Gelsenkirchen zeigt nur die Meldung: „Diese Seite wird vorbereitet“. Und bei den speziellen Flächen (grad von Mülheim) sind noch nicht alle fertig.

Beispielseiten

Beispielseiten PDFs

Diejenigen aber, die bereits abrufbar sind, gefallen mir sehr gut. Es gibt immer zunächst eine allgemeine Info über das Gebiet und dann die Tourenbeschreibung per mehrseitigem, bebildertem PDF-Download und oft einem knapperen, zusammenfassendem Faltblatt mit Karte (ich empfehle immer beides mitzunehmen).

Faltblattbeispiel

Faltblattbeispiel

Alternativ können die Daten auch online durchblättert werden: Streckenlänge im Kilometern mit Zeitangaben für Fußgänger und Radfahrer, Beschaffenheit der Strecke für Rollstuhl oder Kinderwagen. Naturtipps pro Jahreszeit, wie das Froschkonzert im Frühling, die schlüpfenden Libellen im Sommer oder die Waldfärbung im Herbst, Besonderheiten und Naheliegendes werden erwähnt, Anfahrtshinweise, Markierung der Parkplätze, Spielplätze, Essen und Trinken runden den Service ab.

Nehmen wir mal ein paar Beispiele:

  • Duisburg – eines von 9 beschriebenen Gebieten sind die Rheinauen von Eppingen bis Beeckerwerth. Die 12km lange Tour hat 7 beschriebene Beobachtungspunkte, von der Anlegestelle der Rheinfähre über Altstromrinne, Brachflächen (im Winter mt arktischen Gänsen), kleine Weiher bis zum Ausblick vom Deich. Das PDF hat 6 Seiten, Faltblatt mit Karte vorhanden.
  • Oberhausen – die Tour im Kaisergarten ist zwar deutlich kürzer (1,5km), hat aber auch 7 Punkte und ist mit Tiergehege (meist einheimische Tiere und auch Streichelzoo) und Altarm der Emscher (Enten und andere Wasservögel) besonders was für kleine Kinder. Außerdem ist der Eintritt in den Kaisergarten inkl. Zoo kostenlos! Das Faltblatt ist nicht mehr ganz aktuell, noch kein Hinweis auf Minigolf und Bogenschießen.
  • Essen – zum Weltkulturerbe Zollverein gibt es einen 10seitigen Bericht mit einer umfangreichen Linksammlung zum Schluss, ein guter Einstieg in dieses weitläufige und vielseitige Gelände. Natürlich gibt es auch was zur Schurenbachhalde mit der Bramme. Außerdem aber auch noch zu weniger bekannten Punkten wie das Tal des Oefter Baches, den Schellenberger Wald oder den Ruderalpark Frintrop.
  • in Herten finde ich die schöne Ecke mit dem Emscherbruch (inkl. Ewaldsee) und die weniger bekannte Halde Hoppenbruch aber keinen Bericht zur Halde Hoheward (na ja, dazu gibt es ja wirklich genügend anderes Material;-).
  • in Bochum sind unter anderem beschrieben: Westpark, Kemnadersee, Harpener Teiche und Zeche Hannover.
  • in Dortmund neben Hohensyburg und Dellwiger Bachtal auch Bolmke oder Süggel.

Mein Fazit: Einfach mal stöbern und schauen wo und wie du den einen oder anderen Ausflug in die Natur machen kannst. Die Beschreibungen sind immer flexibel aufgebaut, es muss nicht eine Strecke ganz abgelaufen oder abgeradelt werden. Alles sehr praktische Tipps und Infos, dazu weiterführende Links und appetitmachende Fotos. Lohnt sich.

Sinfonie der Tausend – Symphony No. 8 in E♭

Gustav Mahler 1909

Gustav Mahler 1909

Gustav Mahler dirigierte die Uraufführung der 8. Sinfonie am 12. September 1910 in München mit dem Orchester des Konzertvereins München (heute: Münchner Philharmoniker), den Leipziger Großchor Riedel-Verein und den Wiener Singverein selbst und hatte damit einen triumphalen Erfolg. Der begeisterte Applaus soll über eine halbe Stunde gedauert haben.

Er hatte bei der Veröffentlichung die Sinfonie seiner Frau Alma gewidmet, mit der er zu der Zeit bereits eine große Ehekrise hatte. Sie heirate nach seinem Tod den Geliebten Walter Gropius und später dann Franz Werfel, hatte aber auch zahlreiche Affären mit weiteren Künstlern. Großartige Muse oder Femme Fatale, je nach Blickwinkel.

Probe der Uraufführung

Probe der Uraufführung

Gustav Mahler selbst war Zeit seines Lebens immer wieder krank gewesen und starb wenige Monate später am 18. Mai 1911 in Wien an einer bakteriellen Herzerkrankung, die vermutlich durch seine regelmäßigen Mandelentzündungen ausgelöst wurde. Die 10. Sinfonie, an der er schrieb, blieb deshalb leider unvollendet.

Generalprobe in der Kraftzentrale, Foto: RUHR.2010/Manfred Vollmer (c)

Generalprobe in der Kraftzentrale, Foto: RUHR.2010/Manfred Vollmer (c)

Die 8. Sinfonie (Es-Dur) hatte nur durch den Konzertveranstalter Emil Gutmann den Beinamen „Sinfonie der Tausend“ erhalten, Mahler selbst verwahrte sich gegen den Beinamen und die Vermarktung. Zustande kam der Name durch die große Anzahl an Musikern (große Orchester mit mindestens 40 Streichern und 50 Bläsern), ChorsängerInnen (2 große Chöre & 1 Knabenchor) und acht Solisten, die zur Aufführung benötigt werden. Bei der Uraufführung sollen es allerdings knapp unter 1000 Mitwirkende gewesen sein.

Die aktuelle Aufführung – genau 100 Jahre nach der Uraufführung – findet in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord statt. Vorgestern war die öffentliche Generalprobe und heute Abend gibt es dann die Rekonstruktion der Uraufführung von 1910. Beide Veranstaltungen waren kurz nach Verkaufsstart bereits ausverkauft.

Du kannst ihr aber trotzdem lauschen, von 18:05 bis 20:00 gibt es eine live-Sendung im WDR 3.

Das großartige – außer der Musik – ist aber die Mitwirkung aus dem Ruhrgebiet (und umzu;-):

  • Solisten: Manuela Uhl, Nancy Gustafson, Anna Virovlansky, Lioba Braun, Kismara Pessatti, Dimitri Vargin, Jan-Hendrik Rootering
  • Chöre des Aalto-Theaters Essen, des Theaters Bielefeld, der Oper Dortmund, Opernchor Köln, des Musiktheaters im Revier/Gelsenkirchen, Philharmonischer Chöre Bochum, Duisburg, Essen, Siegen, Musikvereine Hamm,  Düsseldorf, Bielefeld, Oratorienchor der Stadt Bielefeld, Universitätschor Bielefeld, Kantorei der Auferstehungskirche Essen, Chor der Universität Witten/Herdecke, Projektchor „!SING Sinfonie der Tausend“, Aalto Kinder- und Jugendchor, Knabenchor der Chorakademie Dortmund, Kinderchor der Deutschen Oper am Rhein und der Duisburger Philharmoniker, Essen-Steeler Kinderchor und Jugendchor, Kinderchor der Auferstehungskirche Essen, Klosterspatzen Liebfrauen Oberhausen-Sterkrade, Kinderchor der Musikschule Iecava (Riga/Lettland), Kinderchor der Windrather Talschule Velbert-Langenberg
  • Orchester: Bochumer Symphoniker, Dortmunder Philharmoniker, Duisburger Philharmoniker, Essener Philharmoniker, Neue Philharmonie Westfalen, Philharmonisches Orchester Hagen

Grandios!