Pegelstände an Lippe, Emscher und Ruhr

Also, ett gibbet schon wieder die ersten Warnungen vor Hochwasser im Ruhrpott und auch im Sauerland. Schließlich liegt da eine Menge Schnee, die jetzt abtauen wird und auf die Bäche und Flüsse wie ein zusätzlicher Dauerregen wirkt. Neben dem, der aktuell auch schon runterkommt.

Da in den Talsperren aber bereits Platz geschaffen wird durch größere Abgaben und insgesamt nicht so viel bis zum Wochenende regen soll wird es alles schon nicht so schlimm werden.

Aber schaut doch selber mal rein, hier sind die Links auf die aktuellen Pegelstände von Emscher-Lippe und Ruhrverband:

Pegel Emscher-Lippe

Pegel Emscher-Lippe

Pegel Ruhrverband

Pegel Ruhrverband

Der Ruhrverband gibt auch einen aktuellen Lagebericht aus.

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Ton-Dia-Schau zur Emscher

„Die Emscher – von der Quelle bis zur Mündung“ heißt die Ton-Dia-Schau im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg genau. Kann nur ergänzen: Rubenschuh lohnt sich wirklich, was der nich schon alles fotografiert hat im Pott!

Pressemitteilung des LWL mal kurz weitergereicht:

Die Emscher in Dortmund-Ellinghausen mit und ohne Eisenbahnbrücke. Repro: LWL

Die Emscher in Dortmund-Ellinghausen mit und ohne Eisenbahnbrücke. Repro: LWL

Vom Abwasserkanal zum renaturierten Fluss – der Umbau der Emscher ist ein Mammutprojekt. Seit den 1980er Jahren begleitet der Hobbyfotograf Hans-Georg Rubenschuh die wechselvolle Geschichte des Ruhrgebietsflusses. Die Ergebnisse seiner Streifzüge mit der Kamera können Besucher des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg am Dienstag, 7. Dezember, um 19.30 Uhr sehen. „Die Emscher – von der Quelle bis zur Mündung“ heißt die zweiteilige Ton-Dia-Schau, zu der der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in die Maschinenhalle des Schiffshebewerks einlädt.

Der ehemalige Lokführer und heutige Pensionär hat jahrzehntelang mit der Kamera vorrangig den technik- und baugeschichtlichen Wandel im Ruhrgebiet dokumentiert. Er folgt in seiner Schau der Emscher von der Quelle in Holzwickede zunächst bis nach Recklinghausen. Im zweiten Teil dokumentiert Rubenschuh den ursprünglichen Fluss- und Kanallauf von Recklinghausen bis zur Mündung in den Rhein bei Walsum und hat die heutige Emschermündung bei Dinslaken vor die Linse genommen.

„Auf vielfachen Wunsch haben wir die vor einigen Jahren gezeigte Ton-Dia-Schau noch einmal in unser Programm aufgenommen“, sagt LWL-Museumsleiter Herbert Niewerth über die eintrittsfreie Veranstaltung in der Maschinenhalle des LWL-Industriemuseums.

Wo? Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Schiffshebewerk Henrichenburg, Am Hebewerk 2 in 45731 Waltrop

Wann? 7. 12. 2010 um 19:30

Wie viel? Eintritt frei

Was? Die Emscher

Pilgern im Pott

Das Pilgern auf dem Jakobsweg hat Harpe Kerkeling mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ hierzulande wesentlich bekannter gemacht. Mich hat das immer fasziniert, wie Leute raus aus ihrem Alltag gehen und eine langwierige und ungewohnte Art des Reisens pflegen. Laufen über eine lange Strecke, unterkommen bei fremden Leuten oder in Sammelhäusern, keine Handy, kein Internet, wildfremde Menschen um einen herum, ungewohnte körperliche Anstrengungen, stark christlich gefärbtes Vorhaben. Spannend, Wäre vielleicht sogar grad richtig für mich jetzt in meiner hektischen Arbeitswelt um Abstand zu gewinnen, wobei ich es ja mit dem Christentum nicht so hab. Ist aber auch immer so weit weg (bis nach Spanien?) und gleich ein Riesenschritt, sich dafür zu entscheiden.

Übersichtskarte Route Industriekultur per Rad: der Emscher Park Radweg ist rot gekennzeichnet, eigenes Bild, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Route Industriekultur per Rad: der Emscherpark Radweg ist rot gekennzeichnet, eigenes Bild, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Mit den Möglichkeiten beim Pilgern im Pott rückt das alles aber in greifbare Nähe. Die Strecken liegen quasi vor der Haustür. Es sind kleine Abschnitte machbar, die Gesamtstrecke ist überschaubar. Der christliche Gedanke ist natürlich auch noch da, aber eine Pommesbude oder ein Zechengelände nicht weit. Kann sich also jeder aussuchen was er dann für Abstecher macht, der Emscherpark-Radweg wird (teilweise) zum Pilgerweg.

Und was auch toll ist wie diese Aktion im Internet rübergebracht wird. Die Webseite „Pilgern im Pott“ ist nicht nur schön anzusehen, sie bietet auch bereits eine Menge Informationen.

Nach allgemeinen Infos zum Pilgern selbst und zur Wanderrichtung auf dem neuen Weg (von der Mündung zur Quelle, von West nach Ost, von Hiesfeld bis Opherdicke) gibt es eine Karte (leider ohne Wegstrecken) mit den teilnehmenden Kirchen (inklusive Adressen, Unterstützungsmöglichkeiten, etc.). Das sind evangelische Häuser, die „verlässlich geöffnete Kirchen„, die als Anlaufstellen funktionieren. Nach Einkehr und Besinnung gibt es dort meist noch WC und Waschbecken. Um Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf muss sich der/die „Peregrini“ dann aber meistens selbst in der Umgebung kümmern.

Buch: Pilgern im Pott (c) Klartextverlag

Buch: Pilgern im Pott (c) Klartextverlag

Daneben gibt es auch noch auf der Internetseite: ein Pilgerbüro, den Pilgerpass zum Abstempeln, organisatorische Unterstützung zum Beispiel für Gruppen, das Buch zum Weg und weitere Buch- und Linklisten, ein Forum und ein Gästebuch, Hinweise auf den Pilgertag 2010 und Sponsoren. Unterstützt wird die Aktion von der KD-Bank, der Bank für Kirche und Diakonie. Diese sponsert auch andere Aktionen der evangelischen Kirche in 2010: Duisburger Synode von 1610 „Wir sind so frei“ und LichtKunstRaum in St. Reinoldi in Dortmund.

Am 21. März wird der neue Pilgerweg in der Salvatorkirche in Duisburg offiziell eröffnet:

„Die evangelische Dorfkirche Hiesfeld die erste Station auf diesem Weg. So ist sie denn auch bei dem Eröffnungsgottesdienst [10:00 Uhr] mit einer offiziellen Delegation beteiligt.

Wer diesen Weg kennen lernen und das Pilgern ausprobieren will sei herzlich zum Gottesdienst und zum anschließenden Pilgernachmittag eingeladen. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es eine Fahrgelegenheit nach Dinslaken zur Emscher-Mündung. Dort geht es auf die erste Pilgeretappe zur Dorfkirche Hiesfeld (ca. 10 km). Diese endet dann mit der Teilnahme am Gehörlosengottesdienst um 15.00 Uhr in der Dorfkirche. Bustransfer zurück zur Salvatorkirche um 16.30 h.

Mitzubringen sind passendes Schuhwerk, Proviant und Offenheit.“

Und sonst? Die Presseberichtet (DerWesten, RP-online) und ich werd es wohl mal ausprobieren. Pilgern „light“ und mit Web 2.0. Wir leben in interessanten Zeiten.

Voerde – Eine Furt durch den Karneval

Wasserschloss Haus Voerde, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Wasserschloss Haus Voerde, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nun gut, ich geb es zu, es ist ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Aber so konnte ich den Stadtnamen Voerde (der lautmalerisch von der Furt herrührt, die hier über den Rhein führte) und einige Hauptpunkte der Local Heror woche (Karneval, Gotteshäuser) miteinander verbinden. Aber zunächst einmal zur STadt selbst:

Voerde liegt mit seinen 40.000 Einwohnern am rechten Ufer des Rheins, umgeben von Wesel, Hünxe, Dinslaken und auf der anderen Flussseite Rheinberg. Das Stadtgebiet hat 11 Stadtteile mit solch fantastische Namen wie Götterswickerhamm, Mehrum, Emmelsum oder Ork. Nordöstlich in der Speller Heide gibt es die Kaninchenberge. Südlich fließt der Rotbach in den Rhein. Etwas unterhalb, auf Dinslakener Gebiet mündet auch die Emscher in den Rhein. Im Rahmen der Renaturierung durch die Emschergenossenschaft wird die Mündung auf Voerder Gebiet verlegt werden. Ein Deichgraf/-verband kümmert sich übrigens um die Sicherheit und Verteidigung der Rheindeiche.

Dorfmitte Spellen, Luftbild von Hermann Schroer, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Dorfmitte Spellen, Luftbild von Hermann Schroer, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Voerde ist reich an Verkehrswegen zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Nördliche liegt der Wesel-Datteln-Kanal, in Emmelsum ist eine seiner Schleusen und ein Hafen. Durch Voerde führt die Eisenbahnstrecke Ruhrgebiet-Holland, mit Haltestellen in Voerde und Friedrichsfeld. Außerdem sind noch Teile der Walsumbahn für den Güterverkehr zum Emmelsumer Hafen und zum Kraftwerk Voerde in Betrieb. Östlich verläuft die A3 und quer durch das Stadtgebiet die B8. Nur 10 km entfernt liegt der Nahverkehrsflughafen „Schwarze Heide“ und bis zum Flughafen Düsseldorf sind es circa 55 km. Eine besondere „Luft“-Kreuzung ist die der Nord-Süd-Leitung über den Rhein bei Voerde mit 138 Meter hohen Strommasten und über 500 Metern Spannweite.

Schöne Luftbilder von Voerde hat Horst Blossey geschossen, die gibt es bei der NRZ zu sehen.

Insgesamt 200 Kilometer Rad und Wanderwege führen an vielen reizvollen Stellen vorbei, unter anderem durch das Naturschutzgebiet „Mommniederung“. In Götterwickerhamm gibt es eine Rheinpromenade und das „Strochennest“ (einen Mühlenbau). Frei- und Hallenbad, Jugendzentrum und Büchereien, ein umfangreiches Vereinsleben, Schiffsausflüge, Kanutouren und Planwagenfahrten, Mettworsch-Jagen und Weihnachtsmärkte. Der Faustballverein TV Voerde ist ein sportliches Aushängeschild aber auch ansonsten wird viel Sport getriben.

Das Haus Voerde wurde schon vor 1200 erbaut und ist ein Wasserschloss, heute mit Restauration und Standesamt. Das nicht mehr erhaltene Haus Ahr ist noch ein Zeugnis der Herrenhäuser hier am Niederrhein. Es gibt auch noch andere Zeugnisstätten in Voerde, zum Beispiel wird am Buschmannshof an das Zwangsarbeiterlager der Firma Krupp erinnert. Eine Gerichtslinde als alte Thingstätte, eine Kriegsgräberstätte und der Bürgerpark sind weitere.

Brauchtum wird auch gepflegt in Voerde, die Brunnengemeinschaften zum Beispiel oder der Karneval. Bis Montag ist noch die Karnevalskirmes am Marktplatz, gut zu sehen in der Webcam.

Und Karneval ist natürlich auch ein Thema zur Local Hero Woche. Im Mittelpunkt stehen aber die lokalen Helden:

„Local Heroes in Voerde sind hauptsächlich die Vereine und Organisationen, Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihre Stadt einsetzen und sie lebens- und liebenswert gestalten. So ist auch das Programm der Local-Heroes-Woche hauptsächlich ein Produkt dieser vielen Freiwilligen, die sich für die Voerder Kultur stark machen.“

Einige Punkte aus dem Programm:

  • Voerde. Vielfalt mit Herz: In den Geschäften in der Innenstadt Voerde und in der Stadtbibliothek werden die ganze Woche 600 Schülerarbeiten ausgestellt.
  • Der Kulturstock (Junge Kultur am Pottrand): Jugendliche entdecken und gestalten Kultur in Workshops: Fotografie, Graffiti, Malerei, Musik und Theater
  • KREATIV – mit allen Sinnen das multikulturelle Kulturfest am Mittwoch, den 17. Februar im Wasserschloss
  • verschiedene Konzerte und Exkursionen finden statt
  • Local Heroines of Voerde, die Frauen in der Voerder Stadtgeschichte werden am Freitag im Frauencafe Weiberwirtschaft vorgestellt
  • Den Abschluss der Local Hero Woche bildet die Nacht der offenen Gebets- und Götteshäuser mit „Friede und Gerechtigkeit – Baris ve adalet“, „Weißt du, wo der Himmel ist?“ und der „Lichtskulptur „Himmelsleiter“ (von E.LIN = Erwin Wiegerling)

Einen Flyer oder ein anderes Druckwerk hab ich leider nicht gefunden. Neben der Local Hero Woche gibt es noch Beteiligungen an anderen Projekten der Ruhr.2010: !SING, Sagenhaftes Ruhrgebiet, 53-P.E.N.-Autorenlesung und A40 Still-Leben Ruhrschnellweg.

Ruhr- und Emschersagen von Dirk Sondermann

Emschersagen von Dirk Sondermann, Bild: Henselowsky Boschmann

Emschersagen von Dirk Sondermann, Bild: Henselowsky Boschmann

Dirk Sondermann beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit den Sagen im Ruhrgebiet. Er gründete 2003 das Institut für Erzählforschung im Ruhrgebiet und gab verschiedene sagenhafte Bücher heraus. Ich selbst hab das Buch der Ruhrsagen, er hat aber auch noch zur Emscher, Bochum, Wattenscheid und Hattingen was gemacht.

Dabei sind seine Bücher nicht nur einfach lesenswert.

Dirk wandert die Ruhr von der Mündung in Ruhrort bis zur Quelle am Ruhrkopf ab (>230 Kilometer!). Zu den Sagen gibt es kurze Hintergrundinformationen, Quellenangaben, wo sinnvoll Querverweise, manchmal eine Zeichnung, oft die Zugangsmöglichkeiten und Öffnungszeiten, praktisch immer die GPS-Angaben. Ich möcht nich wissen wie viel Strecke er dafür abgefahren ist, wie viel Zeit er investiert hat, das kann man nur mit Leidenschaft schaffen. Hinten findet sich auch ein Ortsregister, so dass du wirklich beim nächsten Ausflug die sagenhaften Stätten aufsuchen und auf dich wirken lassen kannst. Ob du dort allerdings dann wirklich Hexen und Werwölfen, Riesen und Zwergen, Jungfrauen und Jägern und all den anderen Sagengestalten begegnen wirst? Oder du schaust mal nach welche Sagen es rund um deinen Wohnort gibt. Ich hoffe ja darauf, das er auch zur Lippe einmal ein entsprechendes Buch herausgeben wird.

Dirk hat seinem aktuellen Verlag Henselowsky Boschmann ein Interview gegeben.

Außerdem gibt es ein Projekt von ihm im Rahmen der Ruhr.2010: Sagen-haftes Ruhrgebiet. Mit seinem Institut und der Gesellschaft für freie Informationssysteme (gfi) wird diese Internetseite aufgebaut, die mehr als 500 Sagen zur Verfügung stellen wird (im Moment ist aber noch keine da). Wieder nicht nur als Text sondern auch als Audio- und Videobetrag, mit genauen Ortsangaben, die per GPS, Goggle Maps oder anderen GeoHacks auffindbar sind. Dazu kommen Erzählveranstaltungen in den Städten des Ruhrgebiets, nächster Termin: Gladbeck, Museum der Stadt Gladbeck, Burgstr. 64, 11. Februar 2010, 19.30 Uhr. Die Internetseite soll auch nach 2010 weiter bestehen und ausgebaut werden.

Noch ein paar Links: rponline, WAZ, dtv, pflichtlektüre