Voerde – Eine Furt durch den Karneval

Wasserschloss Haus Voerde, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Wasserschloss Haus Voerde, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nun gut, ich geb es zu, es ist ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Aber so konnte ich den Stadtnamen Voerde (der lautmalerisch von der Furt herrührt, die hier über den Rhein führte) und einige Hauptpunkte der Local Heror woche (Karneval, Gotteshäuser) miteinander verbinden. Aber zunächst einmal zur STadt selbst:

Voerde liegt mit seinen 40.000 Einwohnern am rechten Ufer des Rheins, umgeben von Wesel, Hünxe, Dinslaken und auf der anderen Flussseite Rheinberg. Das Stadtgebiet hat 11 Stadtteile mit solch fantastische Namen wie Götterswickerhamm, Mehrum, Emmelsum oder Ork. Nordöstlich in der Speller Heide gibt es die Kaninchenberge. Südlich fließt der Rotbach in den Rhein. Etwas unterhalb, auf Dinslakener Gebiet mündet auch die Emscher in den Rhein. Im Rahmen der Renaturierung durch die Emschergenossenschaft wird die Mündung auf Voerder Gebiet verlegt werden. Ein Deichgraf/-verband kümmert sich übrigens um die Sicherheit und Verteidigung der Rheindeiche.

Dorfmitte Spellen, Luftbild von Hermann Schroer, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Dorfmitte Spellen, Luftbild von Hermann Schroer, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Voerde ist reich an Verkehrswegen zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Nördliche liegt der Wesel-Datteln-Kanal, in Emmelsum ist eine seiner Schleusen und ein Hafen. Durch Voerde führt die Eisenbahnstrecke Ruhrgebiet-Holland, mit Haltestellen in Voerde und Friedrichsfeld. Außerdem sind noch Teile der Walsumbahn für den Güterverkehr zum Emmelsumer Hafen und zum Kraftwerk Voerde in Betrieb. Östlich verläuft die A3 und quer durch das Stadtgebiet die B8. Nur 10 km entfernt liegt der Nahverkehrsflughafen „Schwarze Heide“ und bis zum Flughafen Düsseldorf sind es circa 55 km. Eine besondere „Luft“-Kreuzung ist die der Nord-Süd-Leitung über den Rhein bei Voerde mit 138 Meter hohen Strommasten und über 500 Metern Spannweite.

Schöne Luftbilder von Voerde hat Horst Blossey geschossen, die gibt es bei der NRZ zu sehen.

Insgesamt 200 Kilometer Rad und Wanderwege führen an vielen reizvollen Stellen vorbei, unter anderem durch das Naturschutzgebiet „Mommniederung“. In Götterwickerhamm gibt es eine Rheinpromenade und das „Strochennest“ (einen Mühlenbau). Frei- und Hallenbad, Jugendzentrum und Büchereien, ein umfangreiches Vereinsleben, Schiffsausflüge, Kanutouren und Planwagenfahrten, Mettworsch-Jagen und Weihnachtsmärkte. Der Faustballverein TV Voerde ist ein sportliches Aushängeschild aber auch ansonsten wird viel Sport getriben.

Das Haus Voerde wurde schon vor 1200 erbaut und ist ein Wasserschloss, heute mit Restauration und Standesamt. Das nicht mehr erhaltene Haus Ahr ist noch ein Zeugnis der Herrenhäuser hier am Niederrhein. Es gibt auch noch andere Zeugnisstätten in Voerde, zum Beispiel wird am Buschmannshof an das Zwangsarbeiterlager der Firma Krupp erinnert. Eine Gerichtslinde als alte Thingstätte, eine Kriegsgräberstätte und der Bürgerpark sind weitere.

Brauchtum wird auch gepflegt in Voerde, die Brunnengemeinschaften zum Beispiel oder der Karneval. Bis Montag ist noch die Karnevalskirmes am Marktplatz, gut zu sehen in der Webcam.

Und Karneval ist natürlich auch ein Thema zur Local Hero Woche. Im Mittelpunkt stehen aber die lokalen Helden:

„Local Heroes in Voerde sind hauptsächlich die Vereine und Organisationen, Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihre Stadt einsetzen und sie lebens- und liebenswert gestalten. So ist auch das Programm der Local-Heroes-Woche hauptsächlich ein Produkt dieser vielen Freiwilligen, die sich für die Voerder Kultur stark machen.“

Einige Punkte aus dem Programm:

  • Voerde. Vielfalt mit Herz: In den Geschäften in der Innenstadt Voerde und in der Stadtbibliothek werden die ganze Woche 600 Schülerarbeiten ausgestellt.
  • Der Kulturstock (Junge Kultur am Pottrand): Jugendliche entdecken und gestalten Kultur in Workshops: Fotografie, Graffiti, Malerei, Musik und Theater
  • KREATIV – mit allen Sinnen das multikulturelle Kulturfest am Mittwoch, den 17. Februar im Wasserschloss
  • verschiedene Konzerte und Exkursionen finden statt
  • Local Heroines of Voerde, die Frauen in der Voerder Stadtgeschichte werden am Freitag im Frauencafe Weiberwirtschaft vorgestellt
  • Den Abschluss der Local Hero Woche bildet die Nacht der offenen Gebets- und Götteshäuser mit „Friede und Gerechtigkeit – Baris ve adalet“, „Weißt du, wo der Himmel ist?“ und der „Lichtskulptur „Himmelsleiter“ (von E.LIN = Erwin Wiegerling)

Einen Flyer oder ein anderes Druckwerk hab ich leider nicht gefunden. Neben der Local Hero Woche gibt es noch Beteiligungen an anderen Projekten der Ruhr.2010: !SING, Sagenhaftes Ruhrgebiet, 53-P.E.N.-Autorenlesung und A40 Still-Leben Ruhrschnellweg.

Eispalast auf Schloss Hohenlimburg – heute letzter Tag!

Wer noch was für heute Abend sucht, heute ist der letzte Abend mit Illuminationen auf Schloss Hohenlimberg.

Wer keine Zeit hat der mag vielleicht diese YouTube-Foto-Zusammenstellung gucken (Danke an harryruhrpotter):

Hamminkeln – Wir lassen die Kirche im Dorf

Bahnhof Dingden, Bild von Stefan, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Bahnhof Dingden, Bild von Stefan, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Wir sind immer noch am Niederrhein, diesmal ganz im Norden des Kreises Wesel. Hamminkeln ist der Local Hero vom 7. bis zum 13. Februar.

Zwischen Wesel und Bocholt, nahe der holländischen Grenze (Mitglied bei Euregio Rhein-Waal), mit Naturpark Hohe Mark im Westen und Naturschutzgebiet Großes Veen im Süden, leben fast 30.000 Leute in der jungen Stadt (1975 als Gemeide gegründet, erst 1995 Stadtrechte) mit sieben Ortsteilen: Hamminkeln selbst und Ringenberg im Zentrum des 164,44 km² großen Stadtgebiets, rundum dann Dingden, Mehrhoog, Brünen mit Marienthal, Loikum und Wertherbruch. Die Ortsteile haben häufig noch echte Dorfbauernschaften, einige Höfe haben auch den Tourismus als Einnahmequelle erschlossen, zwei Beispiele: Hagemanns Hofcafe und Hotel Hecheltjens Hof.

Marienthal Klosterfriedhof, Bild von Kateer, Wikipedia. Lizenz: Public Domain

Marienthal Klosterfriedhof, Bild von Kateer, Wikipedia. Lizenz: Public Domain

Durch den Ort fließt die Alte Issel. Der Rhein liegt westlich der Stadt, an mehreren Alt-Armen des Rheins (Woy, Hagener Meer, Lange Renne,…) gibt es aber Möglichkeiten zum Fischen oder zur Erholung in der Natur. Überhaupt gibt es sehr viele Wander- und Radfahrwege im ganzen Gebiet. Drei Bahnhöfe und zwei Bahnstrecken hat die Stadt: Hamminkeln und Dingden liegen an der Bocholter Bahn, Mehrhoog an der Hollandstrecke. Mit dem Auto erreichst du die Stadt via der Autobahn A3 Oberhausen-Arnheim und den 3 Bundesstraßen B8, B70 und B473.

Schloss Ringenberg, Bild von Sir Gawain, Wikipedia. Linzenz: cc-by-sa 3.0

Schloss Ringenberg, Bild von Sir Gawain, Wikipedia. Linzenz: cc-by-sa 3.0

Sehenswürdigkeiten:

Zur Local Hero Woche hat die Stadt unter Mitarbeit der Musikschule Hamminkeln und vieler Schüler und Lehrer das Programm unter dem Motto: „Wir lassen die Kirche im Dorf“ aufgestellt:

„Musikalische Veranstaltungen in den Kirchen

Die sieben Dörfer der Stadt verfügen über reizvolle Kirchen und aktive Gemeinden, die an jeweils einem Abend der Woche als Kulturgastgeber fungieren, ihre Gotteshäuser und ihre Herzen den Kunstgenießern öffnen. Zu den von Illuminationen umrahmten Darbietungen werden Brot und Wein angeboten. Der musikalische Bogen spannt sich von Renaissance-Musik über Barock und Blues bis zu kontemplativen und eruptiven Improvisationen im Tanzprojekt Passio. Literatur und Theater finden ebenso ihren Platz wie besondere Ereignisse für Kinder und Senioren.“

Wochentage:

  • Sonntag: Rathaus Hamminkeln – Vocal Heros, Eröffnungsprogramm
  • Montag: Ev. Kirche Hamminkeln-Dingden – This Masquerade, Musik, Lyrik, Malerei mit Versteigerung, Lichtinstallationen von Jochen Schweizer
  • Dienstag: St. Antonius Hamminkeln-Loikum – An English Masque, Tänze und Töne jenseits des musikalischen Bildersturms in England
  • Mittwoch: Karmeliterkirche Hamminkeln-Marienthal – Venezianische Nacht, Antonio Vivaldi, seine Kollegen, und ein musikalischer Karneval in Venedig
  • Donnerstag: Ev. Kirche Wertherbruch – Passio, Musik, Tanz, Theater, Skulpturen, Installationen
  • Freitag: Ev. Gemeindezentrum Mehrhoog – Der Kontrabass, ein Einakter von Patrick Süskind
  • Samstag: Ev. Kirche Ringenberg – Hauptstadt-Blues, der Berliner Bluesmeister Franz de Byl

Dazu gibt es Kindertheater in den Grundschulen, Frühstückskonzerte in den Seniorenheimen, eine Ausstellung im Kreuzgang und weitere Veranstaltungen. Auch schön: Die Eintrittsgelder werden für gute Zwecke gespendet und zwar für solche, die von Hamminkelner Bürgern initiiert wurden (Krankenhaus-Projekt in Togo, rumänisches Kloster).

Einen Flyer mit der Woche im Überblick findest du hier (ganz unten).

Winter-Nacht-Wanderung in Sythen

Grünkohlessen. Bild von Wilfried Wittkowsky, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Grünkohlessen. Bild von Wilfried Wittkowsky, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Ein deftiges Grünkohlessen im Restaurant Lindenhof in Sythen war der Anfang. Kartoffeln, geräucherte Mettwurst, Kassler und Speck dazu. Wer mag auch Senf. Das tat gut und wärmte durch. Anschließend ging es raus in die Dunkelheit. Mythen, Sagen und Legenden waren unsere Begleiter und so war es gut das wir helle Laternen und Wanderstäbe dabei hatten.

Am Schloss Sythen erwarteten uns Fakeln rund um den Gedenkstein für den Grafen Otto  von Westerholt und Gysenberg.1920 wurde er in den Borkenbergen ermordet aufgefunden. Nach langer Suche wurde sein Mörder gefunden und der Gerichtsbarkeit übergeben. Zum Tode verurteilt richtete er noch ein Genadengesuch an die Gräfin und Witwe. Sowohl Geschichte als auch Gesuch werden uns mit tragenden, feierlichen Stimmen vorgelesen. Anschließend stoßen wir mit Glühwein auf den Gedenkspruch an: „Herrgott, erbarme dich des Grafen und seiner Mörder“ (oder so ähnlich, konnte nicht mitschreiben;-).

Schloss Sythen. Bild von Stahlkocher, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Schloss Sythen. Bild von Stahlkocher, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Anschließend geht es weiter an den Rand des Linnert, einem Waldgebiet an der Grenze zu den Borkenberge. Hier hören wir Geschichten zum Steinberg. Der Teufel hatte seine Hand im Spiel und wollte den Stein auf das kleine, fromme Dorf Sythen werfern. Doch angesichts der dortigen Kapelle entfuhr ihm ein Wehklagen und Geschrei und er musste unter Feuerspeien den Stein fallen lassen, der seitdem in den Baumbergen liegt. Eine andere Sage berichtet von ein paar gierigen Bauern aus Sythen, die den Stein besuchten. Angeblich sollte unter dem Stein ein riesiger Schatz lagern und nur zu Mitternacht zugänglich sein und das auch nur für schweigsame Leute. Es kam wie es kommen musste, die Bauern fanden den Schatz aber sie konnten den Mund nicht halten und wurden vom Stein lebendig begraben. Aufgrund der doch gewalttätigen Geschichten beruhigten hier ein klarer Korn oder wahlweise ein roter Jenever unsere Nerven.

Zur dritten und letzten Station ging es zurück fast bis zum Lindenhof, nämlich an den heutigen Kreisverkehr in Sythen. Hier war vor vielen Jahren eine Kuhle, die unter anderem für das Osterfeuer benutzt wurde. Allerdings war es auch ein verwunschener Ort, der oft zu Mitternacht von Hexen besucht wurde. Sie brauten dort ihre Getränke und tanzten durch die Nacht. Die Sage berichtet nur von dem Heinrich, der eine Wette um einen Sack Buchweizen einging. Er wollte die Stunde nach Mitternacht unbeschadet in der Kuhle überstehen. Letztendlich gelang ihm das auch indem er mit seinem Wanderstab eine  Kreis um sich im Boden zog und ihn mit Kreuzzeichen schützte. Trotzdem wurde ihm Angst und Bange angesichts der Hexen, die eine teufelische Suppe kochten und ihm ans Leder wollten. Wir lauschten und lachten und ehe wir uns versahen war da plötzlich eine Hexe, die um uns herum tanzte und Feuer und Knaller auf den Boden schleuderte. Nachdem wir widerstanden und die Hexe verscheucht werden konnte gab es leckeres Landbier.

Der Abend klang dann im Lindenhof mit einem leckeren Nachtisch (Bratapfel) und mancherlei netten Gesprächen aus. Hat uns gut gefallen. 10% der, für den Abend bezahlten, 20 Euro gingen übrigens an die Halterner Tafel.

Tag 16

Heute einen kleinen Ausflug in den Ruhrpott gemacht. Wir mussten sowieso zum Ostermann nach Bottrop-Boy, etwas abholen das wir schon länger bestellt hatten. Das Wetter war trocken, der meiste Schnee zumindest auf den Wegen weggetaut, wir interessiert an allem was so in der Nähe liegt.

Also auf die A52, danach auf der 224 Richtung Bottrop / Gladbeck und ab in den Wittringer Wald. Das war mal ein sogenanntes Luft- und Lichtbad für die arbeitende Bevölkerung des Ruhrgebiets mit Herrenhaus / Wasserschloss im Stil der „niederrheinischen Renaissance“, dazu Vogelinsel und Vogelwarmhaus, ein nach Plänen aus dem 17. Jahrhundert rekonstruiertes Eichenfachwerkhaus mit dem Heimatmuseum der Stadt Gladbeck, einer Minigolfbahn (im Winter leider zu), Tennisplätzen, vielen Wald-, Wiesen- und Wasserflächen. Heute würde ich noch Lärmbad dazu zählen denn die nahegelegene A2 und die Eisenbahnstrecke der NordWestBahn geben doch kräftig Laut. Aber macht nix. Weiterlesen