Die Ruhrstauseen

Trinkwasserbrunnen Ruhr in Essen, Bild von Simplicius, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Trinkwasserbrunnen Ruhr in Essen, Bild von Simplicius, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nach dem Unwetter gestern, wo wirklich lecker Wasser bei uns runterkam hier mal eine ganz gegenteilige Meldung vom Ruhrverband: Der  Juni war der trockenste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen!

Essen (idr). Das Einzugsgebiet der Ruhr hat in diesem Jahr den trockensten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts erlebt, so der Ruhrverband in Essen. Im Mittel fielen nur 28 Litern pro Quadratmeter, das sind 31 Prozent der durchschnittlichen Juni-Niederschlagsmenge. Um die überregionale Wasserversorgung sicherzustellen, gibt der Ruhrverband aus seinen acht Talsperren im Sauerland zurzeit verstärkt Wasser ab. Da die Talsperren zu 87 Prozent gefüllt sind, ist die Wasserversorgung bis zum Winter gesichert, auch wenn der Sommer heiß und trocken bleibt.

Zum Vergleich, bei uns kamen alleine gestern innerhalb von 2 Stunden 13 Liter pro Quadratmeter runter. Aber das war ja auch schon Juli. Zurück zum Thema, die Ruhrstauseen:

Ruhrseen, Zeichnung von Helfmann, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa

Ruhrseen, Zeichnung von Helfmann, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa

Die meisten wurden in den 1920er und 30er Jahren angelegt, zwei kamen später noch dazu. Sie dienen zur Regulierung des Wasserstandes in der Ruhr (Hochwasser auffangen und in Trockenzeiten Wasser in die Ruhr ablassen) und zur Reinigung des Wasser (wie eine Art großes Absetzbecken bzw. biologische Kläranlage). Das Trinkwasser für große Teile des Ruhrgebiets wird aber nicht direkt den Stauseen entnommen sondern entlang der Ruhr durch Uferfiltrat gewonnen. Und daneben werden die Stauseen auch zur Energiegewinnung und für Freizeitaktivitäten genutzt.

Koepchenwerk am Hengsteysee, Bild von Markus Schweiss, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Koepchenwerk am Hengsteysee, Bild von Markus Schweiss, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Bereits um die Jahrhundertwende gab es Kraftwerksbetreiber, die an Wupper, Lenne, Fuelbecke und anderen Bächen Speicherbecken bauen wollten und durch den Beitragszwang im preußischen Wassergenossenschaft-Gesetzes vom Mai 1891 lohnte sich das auch finanziell. Leider wurde der Ruhr dadurch aber eine Menge abgezwackt, sodass das Ruhrgebiet auf dem Trockenen saß.

Was macht man in so einer Konfliktsituation?

Ruhrviadukt Herdecke am Beginn des Harkortsees, Bild von Stefan Scheer, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Ruhrviadukt Herdecke Beginn des Harkortsees, Bild Stefan Scheer, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 3.0

Nun ja, man wirft alle Beteiligten in einen Topf, 1899 wurde der Ruhrtalsperrenverein gegründet, 1913 in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts überführt. Das ebenfalls 1913 erlassene Ruhrreinhaltungsgesetz gilt übrigens bis heute. Mehr Geschichte findest du bei 100 Jahre Talsperren an dder Ruhr, auch zum Bau der Staumauern und mit interessanten Fotos und Zeichnungen.

Nun aber zu den Seen selbst, von der Ruhrquelle in Richtung Mündung:

Villa Hügel 1907 an der Ruhr, der Baldeneysee existiert noch nicht, Wikipedia, public domain

Villa Hügel 1907 an der Ruhr, der Baldeneysee existiert noch nicht, Wikipedia, public domain

  • Baldenneysee, mit Abstand der größte der Seen, 1933 fertig geworden, ursprünglich als Absetzbecken gebaut, dient auch zur Schiffbarmachung der Ruhr (ab hier Landeswasserstraße), liegt im Süden von Essen, Villa Hügel guckt genau drauf. Im Sommer am Wochenende regelmäßig übervoll. Riesiges Freizeitangebot von Segeln, Kanu-, Kajakfahren und Surfen, Wandern, Joggen, Radfahren und Skaten, Schifffahrt, Angeln, Vogelschutzgebiet Heisinger Aue, Campingplätze, coole Gastronomie wie Seaside Beach, 2008 große Feier zum 75jährigen. Im Kulturhauptstadtjahr natürlich besonders wichtig: die Ruhr-Atolle. Baden ist im See nicht erlaubt. Zum Empfehlen ist noch das Deilbachtal nahebei.
Der schmale Kettwiger See, Foto von Heinz Albers, Wikipedia, Lizenz: vv-by-sa 3.0

Der schmale Kettwiger See, Foto von Heinz Albers, Wikipedia, Lizenz: vv-by-sa 3.0

  • Kettwiger See, der zweitkleinste Stausee an der gleichnamigen Ortschaft, dient der Flussklärung und -aufstauung für die Schifffahrt. Er sieht eigentlich gar nicht wie ein Stausee aus, so lang gezogen wie er ist. Am Wehr ist ein Kraftwerk versteckt, das auch noch Luft ins Ruhrwasser einbläst (kein Fischsterben mehr in heißen Trockenzeiten!). Von dort kann man über einen Leinpfad unter der Mintarderbrücke hindurch bis nach Mülheim mit dem Rad fahren. Freizeitspaß gibt es ähnlich wie am Baldeneysee, nur etwas kleiner und ruhiger. Empfehlen kann ich die Altstadt Kettwig und das Restaurantschiff Thetis.
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