Auslaufendes Rot und andere B1|A40 Stories

Box 112% mit Regen, eigenes Bild (c)

Box 112% mit Regen, eigenes Bild (c)

So, am letzten Tag, bei strömendem Regen mach ich mich endlich auf die Socken, genauer gesagt die Unterarmgehhilfen, und erkunde die Schönheit der großen Straße. Das Kreuz Kaiserberg wollte ich erst in ein paar Wochen besuchen, der Wanderweg dort geht ja nicht verloren und lohnt sich auch unabhängig von Kunstinstallationen (ich sach mal nur: Delikatfisch Braun) und schon wegen der Landschaft (z. B. die Ruhrauenbrücken). Das RheinRuhrZentrum in Mülheim war mir dann zu weit, so ging es denn nach Essen und Wattenscheid.

Driveway Transit Exit, eigenes Bild (c)

Driveway Transit Exit, eigenes Bild (c)

Von Norden über A43 führte uns das Navi auf die A40 (wegen eines Umwegs durch die gesperrte Abfahrt Bo-Riemke kamen wir sogar an unserem Tisch auf dem Still-Leben vorbei;-) und so fuhren wir in Wattenscheid gleich auf die Tank-/Raststelle (Ausfahrt 31).

Dort gibt es die Box 112% von Martin Pfeifle zu sehen, welche mich, vor allem bei dem strömenden Regen irgendwie nich abholt (Motto: Ist das Kunst oder kann das wech?).

Seitenwechsel, eigenes Bild (c)

Seitenwechsel, eigenes Bild (c)

Außerdem war dort das Kunstwerk mit den Städtenamen und -entfernungen in Form von gelben Stangen und großen Beschriftungen (z. B. Banja Luka 1.313 km), stammt von Zinganel/Hieslmair und heißt Driveway Transit Exit. Eine liebevoll detaillierte Beschreibung findest du hier.

Für den dazu gehörenden Teil in der Kleingartenanlage war es mir zu viel Gewitter, aber die Bilder am Zaun von Peter Piller, genannt Seitenwechsel, hab ich dann doch noch aufgenommen. Mehr Photos davon gibt es dann auf Facebook. Weiter gings und trockener wurde es auch.

Wasserturm mit roten Fahnen, eigenes Bild (c)

Wasserturm mit roten Fahnen, eigenes Bild (c)

„Auslaufendes Rot“ ist eine von zwei Kunstinstallationen von Christoph Schäfer am Wasserturm auf dem Steeler Berg (die andere ist in Dortmund eine Reihe von Plakatschildern, siehe Infos des Künstlers), die auf den Kampf der Roten Ruhr Armee gegen die Militärputschisten im Jahre 1920 erinnern und auch anders verankern soll (siehe die Notizen in Video 1 und 2). Lange Jahre wurden die aufständischen Arbeiter totgeschwiegen, schlecht gemacht oder schlicht falsch dargestellt, einen Gedenkstein gab es nur für die andere Seite.

Rückwärtiger Eingang, eigenes Bild (c)

Rückwärtiger Eingang, eigenes Bild (c)

Inzwischen kann man die Geschichte genauer nachlesen, zum Beispiel auf der Internetseite Ruhr1920. Wer war damals im Recht? Wer war vor welchen Karren gespannt? Ich kenne die Wahrheit nicht, ich finde es aber schön und gut so darauf aufmerksam gemacht zu werden. Und selbst an meinem Wohnort in Haltern gab es damals Kämpfe von denen heute noch Gedenkorte existieren. Spannend, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen.

Autokino, eigenes Bild (c)

Autokino, eigenes Bild (c)

Heute wird die Turm von der Essener Tafel genutzt. Hinter dem Turm, im Ostpark findet grad das Bürgerschützenfest statt (noch bis 9. August).

Neben dem Turm führt die Markgräfer Straße gleich wieder auf die A40 zurück, wo es dann zurück nach Wattenscheid ging, diesmal auf der anderen Seite, zum Dükerweg.

BDSM-Schuppen, eigenes Bild (c)

BDSM-Schuppen, eigenes Bild (c)

Hier spielt sich das Roadmovie Ruhr ab, eine etwas provozierende Spiellandschaft für Erwachsene. Autokino, Gulaschkanone, Nissenhütten für die spartanische Übernachtungsmöglichkeit, ein BDSM-Schuppen (im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuppen), das Motel Bochum, der Infopoint im Polo-Shop, ein U-Boot-Ausblick im Möbelhaus und ein Darkroom im D&W. Meine Güte, was es alles gibt.

Und sonst? Es gibt Schriftzüge auf den Brücken. Bei der Autobahnkirche in Bochum steht z. B. „Ich komm zur Ruhe“, was besonders bei Staus gut kommt. Am Tunnel stand „Ich bin von wir“ was ich grammatikalisch absolut nachvollziehen kann.

Die ganze Geschichte fand ich gut geerdet, nah am Volke, sprach mir aus der Seele, hatte ein Lächeln auf den lippen. Trotz des Regens. Der auch irgendwie passte.

Ruhrauenbrücken am Kreuz Kaiserberg

Nachts schaut das schön aus, Bild von Christian Demski, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Nachts schaut das schön aus, Bild von Christian Demski, Wikipedia, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Ich ackere mich grad durch die Schönheit der Großen Straße B1|A40 hindurch, eine spannende und oft sehr überraschende Sache. Ausstellungseröffnung war gestern, leider ohne mich. Aber wozu gibt es das Internet?

Die Bundesstraße 1 ist übrigens viel länger als man im Pott so denkt, sie geht quer durch Deutschland, von West nach Ost und umgekehrt. Die Autobahn 40 ist da schon etwas kürzer.

Einige Punkte des Straßenschönheitsbegleitprojektes sind nicht unumstritten, so zum Beispiel der Dückerweg in Wattenscheid.  Vielleicht auch weil er ganz unlokalpatriotisch Motel Bochum heisst? Nun, ich werd mir mal Tuning-Szene, das Autokino und den „lebendigen Ort mit Übernachtungsmöglichkeit und Vergnügungszentrum für Erwachsene“ des holländischen Künstlers Joep van Lieshout anschauen gehen. Hört sich doch gut an, oder?-)

Lage Ruhrauenbrücken, Karte http://www.openstreetmap.org/, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Lage Ruhrauenbrücken, Karte von openstreetmap.org, Einträge von mir, Lizenz: cc-by-sa 2.0

Kreuz Kaiserberg (der Spaghettiknoten) muss ich mir mal erlaufen, es werden dazu sogar Wanderwege angeboten. Die Delicate Arch von Rita McBride steht an der Stelle wo vor Jahren mal die gelben Liegestühle standen. Die Zoo-Brücke führt gar nicht über die A40, aber ok, geschenkt, das Gesamt-Ensemble zählt. Hinter dem Ruhrdeich war ich schon, das kann ich empfehlen, schaut mal bei Brückenlandschaft Ruhraue nach. Beim Anblick dieser Karte fällt mir dann auch auf was mir fehlt: eine Wanderkarte. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen wie das funktionieren soll dort rumzulaufen und Autobahnen, Bahntrassen, Ruhrkanal zu queren und dann noch zurück zu finden. Spannend, sach ich ja.

Tag 29 – nachgelegt

Maki zushi, Bild von Lotus Head, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 2.5

Maki zushi, Bild von Lotus Head, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 2.5

Ein paar kleine Sachen;-).

Wie wäre es mit einem Riesen-Sushi? Gibt es demnächst in Wattenscheid zum Einstand von Koangmin Kim als Restaurantbesitzer des sushi & more (Oststraße 29). 18 Meter lang, 1,60 Meter dick und 1300 Kilogramm schwer. Wird derzeit in einer Speditionshalle in Dortmund hergestellt und am 6. Februar rübergefahren und im Restaurant verspeist. Wer das verpasst kann es vielleicht noch im Fernsehen bewundern, ein Filmteam begleitet das ganze.

RuhrUndercover (c)

RuhrUndercover (c)

Ruhrundercover hat jetzt nach eigenen Angaben bereits 200 hidden places. Wurst Willi steht unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsskala (22 Stimmen), danach folgen weitere Gourmettipps. Wird die Seite zum Restaurant- oder Pommenbudenführer? Konzentriert sich auch ein bisschen stark auf Dortmund / Bochum. Aber sie wächst, werd das weiter beobachten.

Auch dort genannt wird der Bergmann Kiosk, an dem das Dortmunder Bergmann Bier (DBB) vertrieben wird. Ich selbst hab es noch nicht probiert, es bekommt aber gute Kritiken. Und hat eine schöne Webseite. Und zwittschert. Mehr im WAZ-Artikel oder bei der Denkmalbehörde.

Kannst du schreiben? Magst du Literatur? Und den Ruhrpott? Dann ist dieser Literaturwettbewerb: „Wir suchen den schönsten Text übers Ruhrgebiet!“ vielleicht was für dich. Einsendeschluss 26. Februar. Keine formalen Einschränkungen. 500€ Preisgeld für den ersten, 250€ für den 2. und 3. Platz.