Beate Uhse auf Zeche Nachtigall

Der Salon „Frauenbilder“ auf der Zeche Nachtigall (LWL-Industriemuseum) stellt Frauen des Industriezeitalters vor und wendet sich vor allem – aber nicht ausschließlich – an Besucherinnen. In netter Atmosphäre mit Gebäck und Getränken (Eintritt ist übrigens frei!) geht es diesmal um die bis heute umstrittene und unkonventionelle Beate Uhse. Der Bildvortrag heißt passenderweise „Obenrum und untenrum“ und greift beide Seiten der bemerkenswerten Lebensgeschichte auf.

Aus der Pressemitteilung:

Beate Uhse Geschäft in Hamburg, Bild von GeorgHH, Wikipedia, Lizenz: public domain

Beate Uhse Geschäft in Hamburg, Bild von GeorgHH, Wikipedia, Lizenz: public domain

„Orgasmus-Muse“ (Bild am Sonntag), „Frau Oberst der Lustwaffe“ (Penthouse) oder, etwas zurückhaltender: „Liebesdienerin der Nation“ (Die Zeit) und „Sexpertin“ (Der Spiegel) hat man sie in der Presse genannt. Der Tennisclub von Flensburg verweigerte ihr 1963 die Aufnahme, obwohl sie zu den größten Arbeitergebern und besten Steuerzahlern vor Ort gehörte. 1999 erst wurde sie Ehrenbürgerin einer Stadt, die v.a. durch ihr Unternehmen – und die Verkehrssünder(!)kartei bekannt ist. 98 % aller Deutschen ist Beate Uhse als Namensgeberin und Chefin von Europas größtem Versandhaus für Erotikartikel ein Begriff. Den Versandhandel hat sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und die Geschichte ihres Unternehmens lässt sich durchaus als kleine Sittengeschichte der Bundesrepublik lesen.

Beate Uhse als Fliegerin, Ende der 1930er Jahre. (c) Foto: Beate-Uhse-Archiv, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg

Beate Uhse als Fliegerin, Ende der 1930er Jahre. (c) Foto: Beate-Uhse-Archiv, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg

Die Geschichte ihres Lebens bis 1945 erzählt dagegen von einer Frau, die wie so viele andere ihrer Generation eine Leidenschaft für das Fliegen entwickelt und gegen alle Widerstände auch ausgelebt hat. Am 25. Oktober 1919 wurde sie als Beate Köstlin auf einem Gut in der Nähe von Königsberg geboren. Sie wuchs als jüngstes Kind in einem liberalen Elternhaus auf, setzte ihren Wunsch durch, fliegen zu lernen, und machte 1937 ihren Flugzeugführerschein. Zwei Jahre später heiratete sie ihren Fluglehrer, Hans-Jürgen Uhse, der im Mai 1944 tödlich verunglückte. Beate Uhse selbst flog während des Krieges bei den Bücker-Werken Flugzeuge ein und in einem Überführungsgeschwader der Luftwaffe Bomber und Jäger zu ihren Einsatzorten. 1945 brachte sie das letzte Flugzeug aus Berlin heraus.

Beate Uhse mit ihrer Autobiographie, 1989. (c) Foto: Beate-Uhse-Archiv, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg

Beate Uhse mit ihrer Autobiographie, 1989. (c) Foto: Beate-Uhse-Archiv, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg

Nach dem Krieg wurde aus einer Pionierin der Luftfahrt eine Pionierin erst der Aufklärung über Empfängnisverhütung, dann der Aufklärung über Erotik. Fliegen durfte sie zunächst nicht, und wie so viele andere hielt sie sich und ihren Sohn in der Nachkriegszeit mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser. Viele der Frauen, denen sie begegnete, wollten damals nicht schwanger werden, wussten aber nicht, wie sie Schwangerschaften vermeiden konnten. Das brachte Beate Uhse auf die Idee, ihr von der Mutter, einer Ärztin, erworbenes Wissen über Empfängnisverhütung in einer selbst getippten Broschüre zusammenzufassen und diese zu vertreiben. Das war der Anfang ihres Versandhandels, den sie dann mit ihren zweiten Mann Ernst-Walter Rotermund zu einem florierenden Geschäft ausbaute.

Wo: LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Nachtigallstraße 35, 58452 Witten

Wann: Donnerstag, 28. Oktober, um 18 Uhr

%d Bloggern gefällt das: