Glück Auf! von Pottmone

Auch nochmal schöne Bilder. Und die Musik gefällt mir diesmal besser ;-).

Quelle: Ruhrpott-Galerie von Pottmone

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Spurkinhuvelo ist der neue Local Hero

akt.Wappen, Bild von Redline is courtage, Wikipedia

akt. Wappen, Bild von Redline is courtage, Wikipedia

Der Name leitet sich wohl von dem lateinischen spurca, was so viel bedeutet wie „Wacholder“, und dem altdeutschen Wort huvele ab, was „Hügel“ bedeutet. Auf Gutdeutsch heißt das dann zusammen „Wacholderhügel„. Drei Wacholdersträucher über drei Hügeln (und ein Stollenmundloch mit Schegel&Eisen als Zeichen des Bergbaus) fanden sich denn auch auf dem alten Stadtwappen, bis es in der Kommunalreform 1970 den Haselzweig des Amtes Haßlinghausen übernahm. (Quelle: Wikipedia)

Die Stadt liegt wie die beiden anderen in den Vorwochen im Ennepe-Ruhr-Kreis. Sie gilt als die Wiege des Ruhr-Bergbaus. Die Flöze der Steinkohle traten in der Herzkämper-Mulde an der Oberfläche aus und konnten sehr einfach abgebaut werden. Auch Raseneisen sorgte für notwendige Rohstoffe.

Viele Kleinzechen mit seltsamen Namen (Frosch, Alte Haase, Kleine Windmühle) sowie kleine Werkstätten und später Zulieferbetriebe für den Bergbau (z. B. die Firmen Hausherr, Kraft, Düsterloh, Turmag und Hauhinco) waren die Folge. Allerdings nahm das mit dem Rückgang des Bergbaus auch deutlich ab. Die ausführliche Geschichte der Stadt gibt es als PDF.

Radweg Schee–Silschede, Bild von Johannes1024, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Radweg Schee–Silschede, Bild von Johannes1024, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Überbleibsel des Bergbaus sind:

Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg ist der Scheetunnel, eigentlich ein Eisenbahntunnel auf der heute stillgelegten Bahnstrecke zwischen Wuppertal und Hattingen. Von August 1944 bis März 1945 wurden in der Oströhre Teile des Turbinenjägers Messerschmitt Me 262 montiert. Die U-Verlagerung hatte den Namen Kauz, eine Besichtigung von 2005 kannst du bei 7grad nachlesen.

Davidis/Holle, Foto von EvaK, Wikipedia. Lizenz: PB

Davidis/Holle, Foto von EvaK, Wikipedia. Lizenz: PD

Was gibt es sonst noch interessantes?

  • Henriette Davidis hat hier von 1841 bis 1848 als Erzieherin an einer Mädchenarbeitsschule gearbeitet und veröffentlichte in der Zeit ihr berühmtes Praktisches Kochbuch
  • Es gibt einen Agenda-Pfad zwischen Niedersprockhövel und Haßlighausen, auf dem du viele typische historische, naturkundliche und geologische Besonderheiten entdecken kannst
  • Das Freibad wird mit Quellwasser gespeist!
  • Kaiserberg ist ein Spaghettikreuz? Da musst du erst mal Wuppertal Nord sehen!
  • Die IG Metall hat ein dort ein großes Bildungszentrum (wird übrigens grad neu gebaut)
  • Der DBC fährt mit 5“ und 71/4 “ Gartenbahnen, die Strecken sind im Aufbau, sieht sehr gut aus!
  • Jamiri hat 1994 hier eine faszinierende Reise unternommen.

An der Kulturhauptstadt 2010 beteiligt sich die Stadt mit der Local Hero Woche, dem Projekt JeKi und der Vier-Städte-Aktion „Kohle, Kühe, Kunst„, die im Mai außerdem noch in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal stattfinden wird.

Die Local Hero Woche wird von den Bewohnern selbst bestritten, Schulen, Kirchen, Jugendzentren, Vereine, verschiedene städtische Einrichtungen und private Initiativen machen Projektwochen, Aktionen, Aufführungen, Ausstellungen, Wettbewerbe, usw. Ein buntes Programm zur Stärkung der Identifizierung mit der eigenen Stadt und auch zur Förderung des Tourismus.

Die 18 km lange „Alte Trasse“ auf dem Bahn-/Radweg wird mit Kunstwerken ausgestattet. Der Park am Malakowturm soll aktiviert werden. Glaskunst in Haßlinghausen, ein orientalischer und italienischer Abend sowie eine Rap-Show zeigen andere Kulturen, ein musikalischer Workshop, …. Schau doch mal ins Programm rein.

Bilanz zur Kulturhauptstadt nach dem ersten Quartal?

Die Ruhr.2010 zieht zum Ende des ersten Quartals eine positive Bilanz (was denn sonst?), die sie allerdings (bisher?) nicht auf den eigenen Seiten veröffentlicht (nach einem Monat hatte sie das noch gemacht). Auf freiepresse.de hab ich den Pressetext gefunden. Das Zitat daraus bringt zunächst den üblichen Marketingsprech und dann eine Irritation für mich:

„‚Der Start von Ruhr.2010 hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Menschen und Medien sprechen von einem beeindruckenden Erlebnis und transportieren neue Bilder vom Ruhrgebiet‘, sagt der Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt in Essen. Viele Veranstaltungen seien fast oder komplett ausverkauft. Zahlen zu den bisherigen Besuchern gebe es derzeit aber nicht.“

Wieso werden denn keine Zahlen veröffentlicht? Wenn die gut wären dann wäre das die beste Werbung. Wenn die nicht erfasst werden (vielleicht aus Kostengründen?) dann wäre das eine vertane Chance für ein wichtiges Feedback.

Aber die Pressemeldung bringt natürlich auch schon das Negative: Kürzungen in den Kulturetats und Finanzkrise in den Städten. Und die Freie Szene sei nicht genügend berücksichtigt (will die das überhaupt? wäre die dann noch frei?). Fabian Lettow von der freien Theatergruppe Kain-Kollektiv aus Bochum sagt darin: „Das Kulturhauptstadt-Jahr erweitert nicht die Möglichkeiten freien und künstlerischen Arbeitens“. Nun denn, gut das ich das erst nach meinem Besuch im Luftschutzbunker Sodingen lese (sonst wäre ich da vielleicht nicht hingegangen?-).

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Das Deutschlandradio Kultur bringt da eine schärfere und treffendere Zusammenfassung, aufgezeigt an den Aktionen des Kulturhauptstadtjahres selbst wie die Uraufführung der Odyssee Europa oder der Ausstellung Helden in Hattingen. Sie fragt:

„Was bringt es noch, Ballons über den Schachtanlagen schweben zu lassen und die Autobahn A 40 für ein großes Bürgerfest zu sperren, wenn gleichzeitig die kommunale Kultur am Ende ist? Die Kulturhauptstadt hat sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben, sie will den Strukturwandel anfeuern. Nun sollte sie eine Vision für die Region entwickeln, wie eine Kulturlandschaft der Zukunft aussehen soll.“

Und rüttelt zum Schluss auf:

„Das Jahr der Kulturhauptstadt entscheidet über die Zukunft des Reviers. Wenn es nun nicht gelingt, die Zerstörungskraft der Finanzkrise einzudämmen, verpuffen die vielen Anregungen und Kick-Offs in der Hoffnungslosigkeit.

Die Ruhr 2010 steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Sie muss der think tank der Region sein. Bisher allerdings hat man nicht den Eindruck, dass die Macher den Ernst der Lage verstanden haben.“

Die Frage ist nur ob irgendjemand das Rütteln auch spürt.

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Und meine ganz persönliche Bilanz?

Schöne Feste, tolle Ausstellungen. In meinem Kopf vernetzen sich immer mehr Orte und Menschen und Begebenheiten zum Ruhrpott miteinander und immer wieder gibt es Heureka-Erlebnisse. Immer mehr entwickele ich (in Kölle geboren, im Münsterland aufgewachsen und im Pott „nur“ eine Zugezogene) für diese Region heimatliche Gefühle.

Um so mehr frisst es mich an, was hier alles nicht gut geht. Oder gar nicht geht. Was klebt bei mir aufem Auto so schön?