Strike! In dieser Nacht schlagen wir zurück!

Counter-Strike-Interface, Bild von Jonathan Haas, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Counter-Strike-Interface, Bild von Jonathan Haas, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Wie viele Jugendliche begeistern sich Remo und Anatol für „Counter-Strike„. Abend für Abend gehen die beiden online und spielen sich durch Maps, bekämpfen virtuelle Feinde und gegnerische Clans. Mit drei anderen, die sie aus dem Internet kennen, bilden sie die „Mystic five“. Gemeinsam zurückschlagen, wenn sie angegriffen werden – darauf kommt es in „Counter-Strike“ an.

An diesem Tag, dem 30. April, treffen Remo und Anatol sich im Internetcafé „Citynet“ eines Einkaufscenters, um sich für einen E-Sport-Cup in Singapur zu qualifizieren. Allerdings ist es auch ihre letzte Chance, überhaupt noch einmal teilzunehmen, denn tags darauf tritt in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft, das alle so genannten „Killerspiele“ verbietet und unter Strafe stellt. Anatol beschließt, sich auch im wirklichen Leben nicht alles gefallen zu lassen:

„Zocken verboten, ja? Vielleicht wird übermorgen Atmen verboten. Oder Trinken. Aufs Klo gehen? Tut mir leid, hat die Regierung verboten. Ohne uns. Das sag ich dir, ohne uns. Jetzt kommt der Gegenschlag. In dieser Nacht schlagen wir zurück.“

Das Stück von Lorenz Hippe wird heute (01. März, 11:00 und 18:00 Uhr) am Schauspielhaus Bochum, Eve Bar aufgeführt. Und außerdem noch an gleicher Stelle am 16.03.2010 um 18:00 Uhr, am 21.04.2010 um 18.00 Uhr und am 22.04.2010 um 10.00 Uhr. Vorher wurde es bereits an anderen Orten aufgeführt, zum Beispiel im Theater Osnabrück zu dem auch der hier zitierte Pressetext erschienen ist.

Zusammen mit Remo will er sich in dem Einkaufscenter einschließen lassen, um wenigstens diese Nacht noch spielen zu können, denn keiner von beiden hat zuhause die Möglichkeit. Nur sehr widerwillig lässt Remo sich auf den Plan seines Freundes ein. Alles scheint gut zu gehen. In einem günstigen Moment entwendet Anatol die Schlüssel zum „Citynet“. Doch als der Ladenbesitzer den Diebstahl bemerkt und den Wachschutz alarmiert, sehen sich die Jugendlichen mit neuen Hindernissen konfrontiert. Anatol schmiedet einen zweiten, in Remos Augen wahnwitzigen Plan: nach Ladenschluss den Wachmann als Geisel zu nehmen.

Damit gehen die Probleme erst richtig los. Immer heftiger geraten die Freunde aneinander, und als ihre Geisel plötzlich spurlos verschwunden ist, beginnt eine Flucht, die Anatol und Remo auf das Dach des Einkaufszentrums führt, das inzwischen von der Polizei umzingelt ist.

Counter Strike und andere „Killerspiele“ werden verboten – so abwegig ist dieser Ansatz heutzutage gar nicht mehr. Und so einschneidend wäre dies für die betroffenen Jugendlichen, die diese Spiele sehr intensiv spielen – und dafür kriminalisiert werden. Auf die Ebene ebend dieser Jugendlichen begibt sich auch das Stück, sei es in der Beleuchtung oder der Sprache oder der Action, sei es die Ähnlichkeiten von bestimmten Situationen oder Handlungsalternativen im RL oder in CS. Geschickt werden Realität und Spiel miteinander verwoben, bis fast nicht mehr klar ist was Sache ist. Dabei wird der erhobene Zeigefinger gar nicht erst probiert – und das ist die große Chance des Spiels: die Zielgruppe ernstnehmen, nicht verurteilen, die Tür für Gespräche und Verständnis zu öffnen. Die Frage ist nur ob die erwachsenen Begleitpersonen diesen Kulturschock auch verstehen und umsetzen werden.

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