Schermbeck

Lage Schermbecks, Zeichnung von Xantener, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Lage Schermbecks, Zeichnung von Xantener, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Schermbeck ist schon etwas Besonderes bei unserer Local Hero Tour durch das ganze Jahr. Zunächst einmal verlassen wir jetzt (fast) den Niederrhein. Schermbeck liegt an der Grenze zum Münsterland (in der Region LIN). Dann ist es eine Gemeinde, erfrischend klein und schnuckelig nach all den Städten.

Es ist auch sehr alt, 799 wurde erstmals der Name „Scirenbeke“ von Liudger in einem Schreiben an das Kloster Werden erwähnt. Seitdem hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich (Grenzen, Besetzungen, Pest, Kirchspiele, Burg, mehrere Stadtbrände,  …) und auch wechselnde Wirtschaftszweige (Tuchgewerbe, Ziegel– und Dachziegelwerke, Töpferei, ..), was oft auch an den benutzten Routen (alte Handelsroute, Eisenbahnstrecke Haltern-Venlo, Wesel-Datteln-Kanal, Römerroute,  …) lag bzw. liegt.

Burgtor, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Burgtor, Bild von Daniel Ullrich (Threedots), Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Außerdem liegt die Gemeinde mitten im Naturpark Hohe Mark und ist umgeben von den Naturschutzgebieten Loosenberge, Lichtenhagen und Lippeaue.Von daher zeigen sich auch viele Kultur- und Freizeitangebote: Jede Menge Campingplätze und andere, unkomplizierte Unterkünfte, Fahrrad-, Wander- und Reitwege und einen historischen Rundgang,  Ballonfahren, Kanuwanderungen und einen tollen Golfplatz vom GC Weselerwald (18-Loch-Turnierplatz, 9-Loch-Kurzplatz, Webcam). Sport ist im SV Schermbeck mit u. a. Fuß-, Wasser und Handball gut vertreten, einen Tanzverein gibt es ebenfalls. Und natürlich einen Schützenverein.

An Sehenswürdigkeiten gibt es die ehemalige Reformierte Kirche, die Ludgeruskirche und die Georgskirche mit dreiteiligem Altarbild aus der Werkstatt von Derick Baegert, die Burgmühle von 1319 mit Mühlenteich, die Burg (Privatbesitz) mit Burgtor, das Heimatmuseum (in einem alten Bürgerhaus von 1566), Gahlener Dorfkirche, Naturpark Hohe Mark, die alte Stadtmauer  … . Die Feldbahn Schermbeck-Gahlen ist eine alte Tonförderbahn um deren Erhalt sich heute ein Verein bemüht. Sie ist, wie andere Stationen auch ein Teil der Route der Industriekultur.

Wer gerne mal schick, intelligent und individuell tagen will, dem empfehle ich das Landhotel Voshövel. Gute Beratung, sehr flexibel, kreative Ideen wie den Managergarten, klasse Erholung durch das Spa.

Wer in der Local Hero Woche keine Zeit hat die Gemeinde zu besuchen, dem sei das Wochenende vom 25. bis 27. Juni empfohlen, dann heißt es nämlich Schermbeck genießen, ein Gourmetfestival.

So, nun aber mal flott zur Local Hero Woche:

„Kultur für jeden Geschmack ist das Motto der Schermbecker Local Heroes Woche. So wurde ein facettenreiches Angebot zusammengestellt, das Kleinen wie Großen gleichermaßen Freude bereiten soll. Hier reiht sich die Kinderactionkomödie nahtlos zur literarischen Lesung, die Kunstausstellungen an einen Seniorennachmittag und örtliche Künstler an Prominente.
Karten erhalten Sie vor Ort im Bürgerbüro des Rathauses Schermbeck (02853-9100), der Volksbank Schermbeck, der Verbands-Sparkasse, der Buchhandlung Hansen sowie im L-Punkt.“

So die Einführung im offiziellen Programm. Da wird zum 125. Geburtstag des Schermbecker Dichters Gustav Sack gedacht, es gibt das Kindertheater „Die kleine Zoogeschichte“, die Petite Messe solennelle von Gioacchino Rossini erklingt in der St. Georgskirche, Köpfe aus Schermbeck werden porträtiert und in den Schaufenstern ausgestellt, Fußball spielt eine große Rolle, Musikveranstaltungen, eine Modenschau, Kunstausstellungen, … . Ist zwar kein Hochglanzmagazin aber so eine kleine Gemeinde hat auch keinen großen Etat.

Zum Schluss noch etwas davon wie sich Gustav Sack an mehreren Stellen seines Werkes „Ein verbummelter Student“ zu seiner Heimatgemeinde Schermbeck geäußert hat:

„In einem flachen Kessel am Niederrhein liegt zwischen waldigen und heidigen Höhen ein Dorf, dessen Signum ein kurzer klobiger Backsteinturm ist und dessen Hauptstraße kurz und gut die Mittelstraße heißt, und die wird zu beiden Seiten begleitet von der Kaffeestraße und Kirchstraße und ist mit ihnen verbunden durch mehrere Sträßlein, deren offizielle Namen man nur in dem heimatkundlichen Unterricht der Schule hört; später vergisst man sie und bezeichnet die Sträßlein nach irgend einem irgendwie hervorstechenden Anwohner. Die Bewohner aber neigen ein wenig zum Kretinismus und haben insbesondere vor ihren Nachbarn einen eigentümlichen hämischen und bissigen Witz voraus – sonst leben sie wie diese in den Tag und wissen nichts von der transzendenten Idealität der Zeit, der Verneinung des Willens, dem Pathos der Distanz und wären so glücklich wie ihr Vieh, wenn sie eben nicht den hämischen Witz hätten und so eingefleischte Ebenbilder ihres Gottes wären.“

Ist halt schon was besonderes, dieser Local Hero.

%d Bloggern gefällt das: