Bernd und Hilla Becher

Fotografie Installation an der Kraftzentrale Landschaftspark Duisburg-Nord, Bild von Raimond Spekking, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Fotografie Installation an der Kraftzentrale Landschaftspark Duisburg-Nord, Bild von Raimond Spekking, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 3.0

Bernd und Hilla Becher waren einander Symbionten. Ungefähr zu der Zeit als ich geboren wurde fingen sie an ihre verschiedenen Kunstrichtungen auf eine gemeinsame zu vereinen. Fortan fotografierten sie Industriebauten von Zechen über Fabriken, Wassertürme, Gasometern, Hochöfen, Kohlebunkern, Getreidesilos bis zu komplexen Industrielandschaften. In einem ganz neuen, eigenem Stil. Im Ruhrgebiet und auch in Frankreich, England oder den USA. Während ihre Aufnahmen betont sachlich waren, meiste schwarz/weiß und in Zentralperspektive die Gesamtanlage zeigten – war ihre Auswahl der fotografierten Objekte sehr subjektiv und selektiv. Sie wollten das Typische zeigen, die Typologie der Bauten, den Vergleich zu anderen, ähnlich entstandenen, geplanten, gewirkten Bauten. Bernd Becher übernahm 1976 bei der Kunstakademie Düsseldorf eine Professur für Fotografie, trotzdem war es ein gemeinsames Arbeiten und Werken bei dem seine Frau gleichberechtigt neben ihm tätig war. Zusammen wurden sie als Becher-Schule bekannt, die legendäre “Künstlerklasse für Fotografie”. Bernd Becher verstarb 2007 in Rostock bei einer schwierigen Operation.

Kunstaspekte schreiben (Verzeichnis zu den beiden):

“Die Bechers haben bereits früh begonnen, Orte im Ruhrgebiet fotografisch festzuhalten. Die Zeche Zollern II in Dortmund, die kurz vor dem Abriss stand, markiert in den späten 1960er Jahren den Beginn ihres Engagements für das Ruhrgebiet. Später entstanden Projekte in Duisburg (Thyssen Stahlwerk), Oberhausen (Zeche Concordia), Bochum (die Zechen Hannover und Hannibal) und auch in Bottrop (Zeche Prosper).”

Im Quadrat Bottrop gibt es ab morgen, Sonntag, den 7. Februar bis zum 2. Mai 2010 im Rahmen von “Mapping the Region” der RuhrKunstMuseen eine Ausstellung mit ihren Typografien: “Bergwerke und Hütten – Industrielandschaften von Industriebauten”. Eine wundersame Ausstellung, unbedingt zu empfehlen.

Hier mal eine typische Fotografie aus der Ausstellung als Beispiel – gegen übergestellt zu dem, was heute noch von der Zeche Hannover in Bochum über ist, der Malakowturm nämlich. Die zweite Aufnahme ist um eine 180° gedrehte Ansicht desselben Turmes (man beachte die Belüftungsröhren im Vordergrund).

Zeche Hannover 1/2/5, Bochum-Hordel, 1973. (c) Bernd und Hilla Becher

Zeche Hannover 1/2/5, Bochum-Hordel, 1973. (c) Bernd und Hilla Becher

Zeche Hannover, Maschinenhaus und Malakow-Turm über Schacht 1, 2006, Bild von Arnold Paul, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 2.0

Zeche Hannover, Maschinenhaus und Malakow-Turm über Schacht 1, 2006, Bild von Arnold Paul, Wikipedia. Lizenz: cc-by-sa 2.0

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5 Antworten

  1. Wunderschönes Interview von Hilla:

    Klar – wir waren Freaks. Aber wir haben nicht aufgegeben.

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/24539

  2. Oh ja,

    da hast du recht, Danke für den Tipp!

    Um alle mal neugierig zu machen ein paar Fragmente heraus gerissen:

    … Irgendwann haben wir uns gefragt: Hat ein Hochofen ein Gesicht? … Ich habe ihn als Chef und er hat mich als Berater akzeptiert. Anders geht es nicht. Das würde ich übrigens jedem Ehepaar raten. … Den Vorwurf haben wir immer wieder gehört: Die Bechers mögen kein schönes Wetter. Das stimmt nicht. … Man kann nicht etwas kritisieren, wenn man es gleichzeitig auch fotografisch konstatieren will. Wir waren nicht auf der Seite der Kapitalisten und nicht auf der Seite der Ausgebeuteten. … Andreas Gursky wusste doch am Anfang auch nicht, dass er später mal erfolgreich werden würde mit seinen Arbeiten. Der ist auch Taxi gefahren, um Geld zu verdienen. …

  3. […] This post was mentioned on Twitter by Renate Sythen, Renate Sythen. Renate Sythen said: Bernd & Hilla Becher. Geniale #Ausstellund mit #Fotografien #Ruhrgebiet im #Quadrat #Bottrop, siehe Blog: http://bit.ly/aQxQgG […]

  4. Ich finde die Idee mit den Industriebauten sehr gut. Super Fotos.
    Was ich nicht so gut finde, ist die Tatsache, dass es immer “Becherschüler” heisst. Machen die Schüler alles nach was vorgekaut wird, oder denken die auch noch selbst ?
    Das Problem sehe ich darin , dass gern professorengerechtes Menü in den Unis präsentiert wird und die ganze Kunstszene sich selbst wiederholt.
    Wenn jemand wirkliche Kreativität in sich hat, braucht es keine Menschen, die das provozieren.
    Wahrhafte Kreativität ist autak.
    Sie lehnt sich nicht an der Kunstgeschichte an.
    Kein wahrer Künstler weiss , dass er oder sie je erfolgreich sein wird.
    Aber für viele heisst ein “Becherschüler” zu sein so was wie ein Kredit auf die Zukunft zu haben. Industriekultur wurde auch gemalt . Industriekultur wurde vielfach abgelichtet von sehr vielen alten Fotografen. Nur ,dass diese es nicht zu Ihrem Lebensinhalt gemacht haben, denn das war vielen einfach auch zu langweilig, immer nur das eine zu tun und das viele Jahre.
    Hätten sie es getan, gäbe es viele Bechers. Ich kannte einen Mann , der Hobbyfotograf war und viele Zechen ganz super prof. abfotografiert hatte, Seine Kinder haben nach seinem Tod alle Negative weggeworfen. Leider.
    Somit geht Kultur den Bach runter…, wenn andere nichts damit anzufangen wissen. Das was die Bechers geschaffen haben kann sich echt sehen lassen.

  5. Danke für den Tipp mit dem SZ Magazin, aus dem zu entnehmen ist, dass
    Bernd Becher eine Art Sammler von Industrieanlagen war und akribisch wie ein Archivar das alles abfotografierte, weil ihm das Malen zu lange dauerte.
    Ich verstehe trotzdem nicht, dass keine Menschen drauf sein durften.
    Das hätte alles doch richtig spannend gemacht, denn ohne Menschen hätte es diese ganze Industrie nie gegeben. Sie entstand von Menschenhand und wurde von Menschen bedient. Diese Menschen wurden aber aus den Fotoarbeiten verbannt. Das ist für mich als Fotografin fast unverständlich , denn diese Menschen geben auch mit ihrem jeweiligen Outfit und SEIN eine Zeitepoche wieder und eine Stimmung der harten Arbeit, die es zu erledigen gab. Ich hätte an Bechers Stelle auch immer mal Fotos dazu erstellt mit Menschen darauf. Das eine schliesst ja das andere nicht aus.

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